{"id":7589,"date":"2026-09-07T05:59:00","date_gmt":"2026-09-07T03:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7589"},"modified":"2026-09-06T21:01:59","modified_gmt":"2026-09-06T19:01:59","slug":"dmitri-schostakowitsch-editionen-zum-120-geburtstag-in-schrift-und-klang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/09\/07\/dmitri-schostakowitsch-editionen-zum-120-geburtstag-in-schrift-und-klang\/","title":{"rendered":"Dmitri Schostakowitsch: Editionen zum 120. Geburtstag in Schrift und Klang"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Am 25. September j\u00e4hrt sich der Geburtstag Dmitri Schostakowitschs zum 120. Mal. P\u00fcnktlich zum Jubil\u00e4um erschienen nun die Erinnerungen seiner dritten Ehefrau Irina Antonowna im Jaron-Verlag. Au\u00dferdem konnte man sich \u00fcber geb\u00fcndelte Wiederver\u00f6ffentlichungen von urspr\u00fcnglich als Einzel-CDs herausgekommenen Aufnahmen freuen: Pr\u00e4sentiert Capriccio auf 4 CDs Orchesterlieder und Kantaten, brachte Naxos die gesammelten Filmmusiken des Komponisten auf 7 CDs <\/em><em>sowie die Ersteinspielung mehrerer Schauspielmusiken heraus<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elena Yakovich: <em>Zu Zweit<\/em>, Jaron Verlag ISBN:978-3-89773-185-1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-624x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7590\" width=\"420\" height=\"690\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-624x1024.jpg 624w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-183x300.jpg 183w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-768x1260.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-936x1536.jpg 936w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-1248x2048.jpg 1248w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Zu-Zweit-scaled.jpg 1561w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurz vor der Hochzeit mit Irina Antonowna 1962 schrieb Dmitri Schostakowitsch an seinen Freund Wissarion Schebalin \u00fcber seine dritte Ehefrau: \u201eIn meinem Leben ist ein Ereignis von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung eingetreten \u2013 ich habe geheiratet. Sie hat nur einen Fehler: Sie ist 27 Jahre alt.\u201c Doch der nahezu 30-j\u00e4hrige Altersunterschied tat der tiefen Verbundenheit des Paares keinen Abbruch. Von dieser Beziehung und dem gemeinsamen Leben, das bis zu Schostakowitschs Tod 1975 w\u00e4hrte, erz\u00e4hlt die 1934 geborene Komponistenwitwe in den autobiographischen Skizzen <em>Zu Zweit<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie basieren auf Interviews, die Irina Antonowna mit der Regisseurin Elena Yakovich f\u00fcr deren Dokumentarfilm <em>Two. The Story of Shostakovich\u2019s wife<\/em> f\u00fchrte. Er kam 2022 in die Kinos, aber um wesentliche Teile der Gespr\u00e4che gek\u00fcrzt. Die vollst\u00e4ndige, fl\u00fcssig zu lesende Buchfassung, obwohl insgesamt nur 150 Seiten lang, stellt eine Bereicherung zu den zahlreichen fachliterarischen Biographien dar: weil sie aus pers\u00f6nlich-subjektiver Perspektive auf einen der bedeutendsten Tonsch\u00f6pfer des 20. Jahrhunderts schaut, den seine Frau als so feinsinnig wie witzig beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzt wird der Band durch private Fotos und die Gegen\u00fcberstellung von parallelen Episoden aus dem Leben der Eheleute, bevor sie sich Ende der 50er Jahre kennenlernten. Damals arbeitet Antonowna als Literaturredakteurin beim Sikorski Verlag, zu ihren Aufgaben geh\u00f6rt das Redigieren von Musiktheater-Libretti. In diesem Umfeld gibt es etliche berufliche Ber\u00fchrungspunkte mit Schostakowitsch, privat trifft sie ihn erstmals bei einem gemeinsamen Konzertbesuch. Nur wenige Monate sp\u00e4ter findet die Hochzeit auf Dr\u00e4ngen Schostakowitschs statt. Irina Antonowna wird seine st\u00e4ndige Begleiterin, sie reist mit ihm zu Gastspielen, unterst\u00fctzt ihn ebenso im Alltag wie in k\u00fcnstlerischen Belangen. Sie erinnert sich ebenso an den Kauf der Wohnungseinrichtung wie an die zehrenden Begleitumst\u00e4nde bei der Entstehung der <em>Babi-Jar<\/em>-Symphonie. Ihre Schilderungen von Begegnungen mit bedeutenden Zeitgenossen, wie dem Cellisten Rostropowitsch, dem Komponisten Benjamin Britten, der Dichterin Anna Achmatowa oder der mit Schostakowitsch befreundeten Pianistin Maria Judina, die sich \u00f6ffentlich gegen das Sowjetregime stellte und ihre moralische Integrit\u00e4t trotz Repressalien bewahrte, geben Einblicke in Kultur, Politik und Gesellschaft und sind von besonderem zeithistorischem Wert. Auch nach dem Tod ihres Gatten widmet Irina Antonowna ihm ihr Leben. Die \u00f6ffentlichkeitsscheue Witwe setzt sich als Erbin f\u00fcr die Bewahrung seines musikalischen Verm\u00e4chtnisses ein, initiiert die Herausgabe des Gesamtwerks, gr\u00fcndet das Schostakowitsch-Archiv und den DSCH-Verlag. Der Satz \u201eJedenfalls waren wir wie ein Mensch\u201c kennzeichnet den fast symbiotischen Charakter der Ehe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Music for Film<\/em>, Naxos, Bestellnr.: 8.507016<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schauspielmusiken<\/em>, Naxos, Bestellnr.: 8.574590<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-939x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7591\" width=\"417\" height=\"454\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-939x1024.jpg 939w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-768x837.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-1409x1536.jpg 1409w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Filmmusik-1879x2048.jpg 1879w\" sizes=\"(max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Schostakowitschs Nachlassverwalterin engagiert sich Irina Antonowna auch f\u00fcr die Rekonstruktion verschollen geglaubter oder unvollst\u00e4ndiger Filmmusiken \u2013 einer Gattung, die im Schaffen des Komponisten breiten Raum einnimmt. So ist es etwa ihrer Zustimmung zu verdanken, dass der Dirigent Mark Fitz-Gerald die Originalpartitur des sozialkritischen Stummfilms <em>Odna \u2013 Allein<\/em> wiederherstellte. Sie ist durch die ungew\u00f6hnliche Instrumentierung, wie die Verwendung des elektronischen Theremins, bemerkenswert, aber auch wegen der musikalischen Gegens\u00e4tze zwischen st\u00e4dtischen Alltagsger\u00e4uschen und l\u00e4ndlicher Folklore. 2006 wurde <em>Odna<\/em> unter Fitz-Geralds Leitung f\u00fcr Naxos eingespielt, zun\u00e4chst als Einzel-CD ver\u00f6ffentlicht und letztes Jahr in die siebenteilige Kollektion <em>Music for Film<\/em> des Labels aufgenommen. Sie enth\u00e4lt sechs weitere komplette Soundtracks und ist mit einem ausgesprochen informativen Booklet ausgestattet. Die Kinostreifen unterscheiden sich formal erheblich und spiegeln auch Schostakowitschs Spannweite zwischen Innovation und Anpassung wider. Neuartig war gleich seine erste Filmpartitur, die er 1928 f\u00fcr den zur Zeit der Pariser Kommune spielenden Historienfilm <em>Das neue Babylon<\/em> schuf \u2013 der Titel bezieht sich auf ein Warenhaus. Statt das Geschehen rein zu untermalen, komponierte er eine grellbunte Collage. Popul\u00e4re franz\u00f6sische Melodien, wie Offenbachs Can-Can und die <em>Marseillaise<\/em>, Marschrhythmen, Zitate aus der Klassik und avantgardistische Einfl\u00fcssen kommentieren und illustrieren das Geschehen eigenst\u00e4ndig. Hingegen dominieren in den Propagandastreifen <em>Der Fall von Berlin<\/em> und <em>Das unvergessliche Jahr <\/em><em>1<\/em><em>919<\/em> Pathos und milit\u00e4rische Knalligkeit, im letztgenannten Film untermalt kurioserweise ein s\u00fcffiges Klavierkonzert eine Kampfhandlung.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcnstlerisch anspruchsvoller ist die d\u00fcstere, psychologisch ausgefeilte und sparsam orchestrierte Shakespeare-Adaption <em>Hamlet<\/em> von 1963. Wegen ihres dichten Themengeflechts und der raffinierten Instrumentierung, etwa das Cembalo in Ophelias Wahnsinnsszene, geh\u00f6rt sie zu den st\u00e4rksten Soundtracks Schostakowitschs.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7592\" width=\"417\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Buehnenmusiken-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Gesondert ver\u00f6ffentlicht hat Naxos zwei zwischen 1929 und 1933 entstandene Schauspielmusiken: <em>Der Schuss<\/em> enth\u00e4lt eine rasante Abfolge von zirkusbunten, grell humoresken Nummern; in <em>Die menschliche Kom\u00f6die<\/em> nach Balzac verwendet Schostakowitsch T\u00e4nze und Jazzelemente, die eine Salonatmosph\u00e4re verbreiten. Die Einspielung enth\u00e4lt noch eine weitere Rarit\u00e4t: <em>D<\/em><em>er Marsch der Anarchisten<\/em> von 1938 als Hommage an Weills <em>Kanonensong<\/em> aus der <em>Dreigroschenoper<\/em>. Drei Dirigenten am Pult verschiedener brillanter Orchester sind an den Aufnahmen beteiligt. Den L\u00f6wenanteil bestreitet \u2013 neben Adriano und Dmitry Yablonsky \u2013 Mark Fitz-Gerald. Alle drei sch\u00f6pfen die Bandbreite der Partituren aus, jonglieren souver\u00e4n zwischen dissonanter Sinfonik und gef\u00e4lliger Unterhaltung und geben damit ein starkes Pl\u00e4doyer f\u00fcr Schostakowitschs Filmmusiken.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Orchestral Songs<\/strong><\/em><strong>, Capriccio, Bestellnr.: C7465<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7593\" width=\"415\" height=\"415\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Cover-Schostakowitsch-Orchestral-Songs-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine weitere Kassette widmet sich Schostakowitschs Vokalwerken mit Orchester. Das Label Capriccio hat auf 4 CDs stilistisch vielf\u00e4ltige <em>Orchestral Songs<\/em> zusammengestellt, die seine widerspr\u00fcchliche Haltung zum Sowjetstaat spiegeln. Neben tiefgr\u00fcndigen, unterschwellig systemkritischen Liederzyklen befinden sich auch zwei reine Propagandast\u00fccke. Die so pomp\u00f6se wie zackige, bis zum Finale m\u00e4chtig anschwellende Kantate <em>Die Sonne scheint \u00fcber unser Vaterland<\/em> von 1952 glorifiziert den Kommunismus. Bereits 1949 komponierte er sein erstes gro\u00dfes Oratorium <em>Das Lied von den W\u00e4ldern<\/em>. Darin preisen Tenor- und Basssolo, Kinderstimmen und gemischter Chor die Aufforstung kriegszerst\u00f6rter Areale durch den \u201eG\u00e4rtner\u201c Stalin, der zum Wohle des Volkes die Natur wieder zum Bl\u00fchen bringt. Die Musik biedert sich in ihrer melodi\u00f6sen S\u00fc\u00dfe, den plakativen Steigerungen und den folkloristischen Elementen dem offiziellen Geschmack an. Im Vergleich zu diesem Oratorium f\u00e4llt der Kontrast zu dem ein Jahr fr\u00fcher komponierten Zyklus <em>Aus j\u00fcdischer Volkspoesie<\/em> op. 79a besonders krass aus. Mit den stimmungsvollen Liedern \u00fcber das Leben in einem Schtetl reagierte Schostakowitsch musikalisch auf den staatlichen Antisemitismus. Um eine Auff\u00fchrung zu erreichen, f\u00fcgte er jedoch einen fragw\u00fcrdigen Schluss ein: er r\u00fchmt das Gl\u00fcck, das das Sowjetregime den Juden bescherte. Trotzdem fand die Premiere in der urspr\u00fcnglichen Klavierfassung erst 1954 statt, 1963 folgte die nachtr\u00e4gliche Orchestrierung. Rund zehn Jahre sp\u00e4ter, an seinem Lebensende, schuf Schostakowitsch noch zwei gr\u00f6\u00dfere, pers\u00f6nlich gepr\u00e4gte Vokalwerke f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Instrumentalbesetzung. Sowohl die <em>Sechs Romanzen nach Worten von Marina Zwetajewa<\/em> als auch die Irina Antonowna gewidmete <em>Michelangelo-Suite<\/em> beziehen sich auf eigenwillige K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten und thematisieren Sinnsuche, r\u00fcckblickende Selbstreflexion und Abschied. Tamara Sinyavskaya bringt die Melancholie der Romanzen mit pastosem, dramatisch auffahrendem Alt zur Geltung, Anatoly Kotcherga verleiht der Suite mit seinem m\u00e4chtigen Bass eine eindringliche Introvertiertheit. Idiomatisch besetzt ist auch das weitere Gesangsensemble: die Sopranistin Nina Fomina, die Ten\u00f6re Vladimir Kasatschuk und Anatoly Babykin sowie die B\u00e4sse Arkady Mishenkin und Stanislav Sulejmanov sind nicht nur stilistisch gewandt, sondern loten als Muttersprachler die Texte subtil aus. F\u00fcr die musikalische Qualit\u00e4t sorgen zudem der durchschlagskr\u00e4ftige WDR Rundfunkchor und das Sinfonieorchester K\u00f6ln. Die musikalische Leitung liegt in den H\u00e4nden von Michail Jurowski. Die enge pers\u00f6nliche Beziehung des Dirigenten zum Komponisten verleiht den Aufnahmen besondere interpretatorische Authentizit\u00e4t. Er vermeidet Pathos, hebt Zwischent\u00f6ne heraus und sorgt f\u00fcr einen flie\u00dfenden Ablauf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, September 2026]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 25. September j\u00e4hrt sich der Geburtstag Dmitri Schostakowitschs zum 120. Mal. P\u00fcnktlich zum Jubil\u00e4um erschienen nun die Erinnerungen seiner dritten Ehefrau Irina Antonowna im Jaron-Verlag. Au\u00dferdem konnte man sich \u00fcber geb\u00fcndelte Wiederver\u00f6ffentlichungen von urspr\u00fcnglich als Einzel-CDs herausgekommenen Aufnahmen freuen: Pr\u00e4sentiert Capriccio auf 4 CDs Orchesterlieder und Kantaten, brachte Naxos die gesammelten Filmmusiken des Komponisten &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/09\/07\/dmitri-schostakowitsch-editionen-zum-120-geburtstag-in-schrift-und-klang\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Dmitri Schostakowitsch: Editionen zum 120. Geburtstag in Schrift und Klang<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[45,13],"tags":[2291,5561,5557,5562,818,29,5555,5552,5551,5553,5554,272,200,5558,5563,5556,5560],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7589"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7589"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7596,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7589\/revisions\/7596"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}