{"id":763,"date":"2016-04-26T22:35:59","date_gmt":"2016-04-26T20:35:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=763"},"modified":"2016-04-27T23:53:22","modified_gmt":"2016-04-27T21:53:22","slug":"pastoralen-blumen-und-armenische-trompetenmusik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/26\/pastoralen-blumen-und-armenische-trompetenmusik\/","title":{"rendered":"Pastoralen, Blumen und armenische Trompetenmusik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044.jpg\" rel=\"attachment wp-att-769\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-769\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044-300x300.jpg\" alt=\"0044\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0044.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quer durch drei Jahrhunderte erstreckt sich das Programm der W\u00fcrttembergischen Philharmonie unter Leitung von Chefdirigent Ola Rudner am 24. April 2016 im Herkulessaal der M\u00fcnchner Residenz: Von Haydns Trompetenkonzert Es-Dur Hob.VIIe:1 von 1796 und Beethovens F-Dur-Symphonie, der Pastorale, \u00fcber Mahlers Symphonischen Satz C-Dur mit dem Titel &#8222;Blumine&#8220; bis zu dem As-Dur-Trompetenkonzert von Alexander Arutjunian, geschrieben 1941. Solist ist der norwegische Trompetenvirtuose Ole Edvard Antonsen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wagnerisch wird es direkt zu Beginn des Abends mit der &#8222;Blumine&#8220; von Gustav Mahler. Der Satz, welcher urspr\u00fcnglich Teil der ersten Symphonie werden sollte, weist solch signifikanten Parallelen zum Komponisten des Ring-Zyklus auf, dass man stellenweise fast meinen m\u00f6chte, im Programm stehe ein falscher Name. Es ist ein beschauliches Stimmungsgem\u00e4lde, in aller intendierten Bedeutungslosigkeit unfassbar sch\u00f6n und tr\u00e4umerisch. Weitaus substantieller dann das Trompetenkonzert von Joseph Haydn in Es-Dur Hob. VIIe:1, welches nicht zu Unrecht das wohl meistgespielte Trompetenkonzert \u00fcberhaupt ist (wenngleich sicher auch aufgrund des schmalen Repertoires). Dieses Konzert schmeichelt dem Solisten auf der Es-Trompete in den sch\u00f6nsten T\u00f6nen in seiner ihm ureigenen Tonart. Das Instrument erh\u00e4lt h\u00f6chst sangliche Kantilenen, dankbar virtuose L\u00e4ufe und rhythmisch pr\u00e4gnante Themen. Von \u00e4u\u00dferstem Gegensatz in der harmonischen Spannung ist dazu das in etwa gleichlange Trompetenkonzert des Armeniers Alexander Arutjunian, jenes Werk des damals erst 21-j\u00e4hrigen, welches ihm zu internationalem Durchbruch verhalf und bis heute eines der wenigen oft gespielten St\u00fccke des Komponisten ist. Es ist gepr\u00e4gt von den unverkennbaren Einfl\u00fcssen armenischer Volksmusik, von \u00f6stlichen Tonskalen und sowjetisch bunt orchestrierter, orientalisch anmutender Harmonik sowie von problemloser Verst\u00e4ndlichkeit und Unbeschwertheit f\u00fcr Spieler wie f\u00fcr H\u00f6rer. Das letzte Werk des Abends ist die Pastorale, die Symphonie Nr. 6 von Ludwig van Beethoven in der Tonart F-Dur. Das Schwesterwerk der Schicksalssymphonie besticht durch seine malerischen Naturbilder, durch endlose Motivrepetitionen im Kopfsatz, durch unendliche Melodien im folgenden Andante sowie die fast erz\u00e4hlerische Abfolge der kommenden drei S\u00e4tze, die unmittelbar miteinander verbunden sind. Eine besondere Schau ist nat\u00fcrlich der mitrei\u00dfende Sturm-Satz mit ungeb\u00e4ndigten L\u00e4ufen, tiefem Grummeln in Streichern und Pauken sowie der st\u00fcrmisch zischenden Piccolofl\u00f6te, die einen ihrer ersten solistischen und f\u00fcr das Werk substanziellen Eins\u00e4tze in der Musikgeschichte erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Darbietung l\u00e4sst sich kurz und knapp sagen, sie war ausgesprochen gelungen und \u00fcberzeugend. Vor allem bei Beethovens Pastoral-Symphonie war sie direkt frappierend gut. Diese Symphonie ist bekannt daf\u00fcr, als endlos sich dahinziehender Einheitsbrei aus thematisch in sich kreisenden Motiven zu erscheinen, welcher banal und entwicklungslos vor sich hinpl\u00e4tschert, wie es sogar bei den Spitzenorchestern gerne der Fall ist. Es lie\u00df also sehr aufhorchen, wenn an diesem Abend endlich einmal die gro\u00dfen Spannungsb\u00f6gen entfaltet werden und die Musik die Kraft der befreiten Entwicklung erleben darf. Ola Rudner l\u00e4sst die Musik aus ihrer Nat\u00fcrlichkeit und Schlichtheit entstehen, verleiht ihr nicht zu viel H\u00e4rte &#8211; auch nicht im Sturm &#8211; und sorgt doch f\u00fcr einen ansteckenden Schwung und pr\u00e4chtige Ausdrucksvielfalt. Dass manch h\u00f6renswerte und thematisch bedeutsame Stimme dabei nicht ganz zum Vorschein kommt, ist wie stets haupts\u00e4chlich der teils etwas schwer zu strukturierenden Instrumentation des Werks geschuldet, welche die Hauptstimmen teils sehr effektiv \u00fcberdeckt. Der schwedischst\u00e4mmige Dirigent Ola Rudner zeigt hier eindrucksvoll, dass man mit tiefergehendem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Werk es schaffen kann, aus dem Trott der ewig gleichen Wiedergaben herauszukommen und der Symphonie wieder neues, frisches und unverbrauchtes Leben einzufl\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in den anderen Programmpunkten \u00fcberzeugen Orchester und Dirigent auf hohem Niveau, vermitteln Anmut und feinen Glanz in Mahlers Blumine und geben dem Solisten Ole Edvard Antonsen einen flexiblen Widerpart zu seinen Solostimmen. Au\u00dfergew\u00f6hnlich anzusehen f\u00fcr so gro\u00dfe Hallen sind die Gesten von Ola Rudner, die sehr innig, kompakt und komplett ohne Schielen auf au\u00dfermusikalischen Effekt erscheinen, anstatt das von den meisten Dirigenten praktizierte publikumshascherischen Show-Gehabe zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen wahren Star an der Trompete hat sich die W\u00fcrttembergische Philharmonie an das Solistenpult geholt, Ole Edvard Antonsen. In den zwei so verschiedenen Konzerten demonstriert er die verschiedenen Facetten seines K\u00f6nnens und ist auch, wie seine pittoreske Zugabe &#8222;Fanfare&#8220; zeigt, ebenso f\u00fcr zirkushaften Spa\u00df und Hochseilartistik zu haben. Hervorzuheben ist sein unbeschreiblich ausgereiftes Spiel mit Distanzwechseln, sein Klang kann quasi direkt beim H\u00f6rer sein, aber auch in der N\u00e4he vor der B\u00fchne stehenbleiben oder gar wie hinter dem Podium befindlich erscheinen &#8211; zwischen diesen Ebenen kann er ohne Luft zu holen changieren. Im Haydn beh\u00e4lt ein sanglicher und offener Ton in spr\u00fchender Farbigkeit und Lebendigkeit die Oberhand, bei Arutjunian differieren die diversen Tongebungen nat\u00fcrlich viel mehr und er stellt unter Beweis, auch zerbrechlich-zur\u00fcckgezogen oder extrem auftrumpfend-anstachelnd spielen zu k\u00f6nnen. Mit technischer Makellosigkeit ausgestattet brilliert Antonsen in Lockerheit und bewusst gesetzter wie angenehmer Distanz zu den St\u00fccken, die er zwar von seiner inneren Beteiligung her auskostet, aber emotional \u00a0nicht in ihnen zu versinken droht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die W\u00fcrttembergische Philharmonie unter Ola Rudner zeigt sich herausragend auch als Begleiter, mit ausgereiftem musikalischen Verst\u00e4ndnis \u2013 hieran sollte sich manch eines unserer A-Orchester ein Vorbild nehmen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quer durch drei Jahrhunderte erstreckt sich das Programm der W\u00fcrttembergischen Philharmonie unter Leitung von Chefdirigent Ola Rudner am 24. 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