{"id":7665,"date":"2026-10-24T03:12:43","date_gmt":"2026-10-24T01:12:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7665"},"modified":"2026-10-24T03:12:47","modified_gmt":"2026-10-24T01:12:47","slug":"bildhaft-und-klangsinnlich-klavier-und-orchestermusik-von-wolfgang-andreas-schultz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/10\/24\/bildhaft-und-klangsinnlich-klavier-und-orchestermusik-von-wolfgang-andreas-schultz\/","title":{"rendered":"Bildhaft und klangsinnlich \u2013 Klavier- und Orchestermusik von Wolfgang-Andreas Schultz"},"content":{"rendered":"\n<p>Ambitus, amb 95 624; EAN: 4011392956246<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schultz-Triptychon.jpeg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schultz-Triptychon.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7666\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schultz-Triptychon.jpeg 741w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schultz-Triptychon-300x300.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Schultz-Triptychon-150x150.jpeg 150w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das bei Ambitus erschienene Album <\/em>Triptychon f\u00fcr Johann Sebastian Bach<em> macht mit drei Kompositionen von Wolfgang-Andreas Schultz bekannt. Eberhard Hasenfratz (Klavier) spielt die <\/em>Variationen \u00fcber ein Thema von J.&nbsp;S. Bach<em> und die f\u00fcnf Pr\u00e4ludien und Fugen <\/em>Im Blick der Bilder<em>. Das Orchesterwerk <\/em>Transfiguration<em> wird vom NDR Elbphilharmonie Orchester unter Jens Georg Bachmann gespielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der 1948 geborene Wolfgang-Andreas Schultz hat es als Komponist wie als Musik\u00e4sthetiker stets als sein Anliegen begriffen, der Musik neue Wege der Entwicklung abseits des im Gefolge der Verkl\u00e4rung der Dodekaphonie zur Dominanz gelangten Avantgardismus zu \u00f6ffnen. Ein extremes Fortschrittsdenken, das Musikgeschichte nur als permanente Innovation und \u00dcberwindung des Alten gelten l\u00e4sst, verwirft er als einseitig und kurzsichtig. Gerade die Zusammenf\u00fchrung der Tradition mit neuen Ideen interessiert ihn. So war es f\u00fcr ihn nur konsequent, sich ebenso in altmeisterlicher Kontrapunktik zu schulen wie mit der Musik au\u00dfereurop\u00e4ischer Kulturen und auch mit Atonalit\u00e4t auseinanderzusetzen. Teils l\u00e4sst Schultz in seinen Werken gezielt unterschiedliche Musikstile aufeinanderprallen, wie etwa in der vor ein paar Jahren in M\u00fcnchen inszenierten Oper <em>Achill unter den M\u00e4dchen<\/em>, teils l\u00e4sst er Anregungen aus verschiedenen Quellen ineinander flie\u00dfen und sucht die Synthese.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen guten Eindruck vom Schaffen des Komponisten erh\u00e4lt man durch das bei Ambitus erschienene Album <em>Triptychon f\u00fcr Johann Sebastian Bach<\/em>, das zwei Klavierkompositionen und ein Orchesterwerk pr\u00e4sentiert. Die St\u00fccke sind offensichtlich nicht als zusammengeh\u00f6riger Zyklus gedacht, haben aber gemeinsam, dass Schultz sich in jedem von ihnen auf eine bestimmte Weise auf Bach bezieht. In den <em>Variationen \u00fcber ein Thema von J.&nbsp;S. Bach<\/em> verarbeitet er Bachs Choral <em>Ich steh&#8216; an deiner Krippen<\/em> hier, die f\u00fcnf St\u00fccke der Sammlung <em>Im Blick der Bilder<\/em> sind als Pr\u00e4ludien und Fugen gestaltet. Die Beziehung des Orchesterst\u00fccks <em>Transfiguration<\/em> zu Bach liegt weniger in der \u00e4u\u00dferen Form als in der Verwebung zweier voneinander unabh\u00e4ngiger Strukturen, wie Schultz selbst im Begleittext schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man erwarte nun keine Musik, die Bach h\u00f6rbar nachahmt! Schultz ist kein akademisch-klassizistischer Komponist, der in der engen Anlehnung an historische Vorbilder sein Ideal sieht. Sein Umgang mit den traditionellen Formen ist durchaus frei, wie sich vor allem anhand der Pr\u00e4ludien und Fugen zeigt. Jedes dieser St\u00fccke ist durch ein Gem\u00e4lde inspiriert. Die Vorlagen stammen von Claude Lorrain, Jacopo Tintoretto und Caspar David Friedrich. Unter \u201ePr\u00e4ludium und Fuge\u201c ist hier keine Folge zweier kontrastierender St\u00fccke zu verstehen. Stattdessen haben wir es hier mit kleinen Tondichtungen zu tun, die improvisatorisch anheben und nahtlos in fugierte Strukturen \u00fcbergehen, wobei auch die Fugen sehr frei gestaltet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Schultz&#8216; Musik tr\u00e4gt kaum dramatisches Gepr\u00e4ge. Sie wirkt kontemplativ und nicht selten erz\u00e4hlerisch in der Art eines Rezitativs. \u00c4hnlich wie die Pr\u00e4ludien und Fugen muten auch die Bach-Variationen wie Meditationen an, nur dass Schultz hier nicht bestimmte Werke der bildenden Kunst als Vorlage nimmt, sondern den Lebensweg Christi, der in Form von zw\u00f6lf Variationen nachvollzogen wird. Dies geschieht allerdings ebenfalls sehr bildhaft. Die klanglichen M\u00f6glichkeiten des Klaviers werden voll ausgesch\u00f6pft, wie z.&nbsp;B. in der \u00d6lberg- und der Passions-Variation, die von unmittelbaren Wechseln von tiefsten und h\u00f6chsten Lagen gepr\u00e4gt werden. Am Ende steht die Erscheinung des Auferstandenen, dargestellt als in hellen Farben schimmernde Fuge \u00fcber eine entmaterialisiert anmutende Variante des Themas.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die besondere St\u00e4rke des Komponisten in der Gestaltung profilierter, sinnlicher Kl\u00e4nge liegt, zeigt sich nicht zuletzt in der <em>Transfiguration<\/em> f\u00fcr Orchester. Auch hier diente ein Bild als Inspirationsquelle, n\u00e4mlich das gleichnamige Gem\u00e4lde Raffaels. Aus der deutlich zweigeteilten Gestalt des Bildes, das zwei aufeinander bezogene Szenen des Evangeliums gleichzeitig zeigt, gewann Schultz die Idee, zwei musikalische Ebenen zu \u00fcberlagern. Das St\u00fcck beginnt mit Streichertremoli und arkadisch-idyllischen Fl\u00f6tenkl\u00e4ngen. Im weiteren Verlauf entwickeln Blechbl\u00e4ser und tiefe Streicher immer gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4t, w\u00e4hrend in den hohen Holzbl\u00e4sern und Violinen an einer statischen Klangfl\u00e4che festgehalten wird. Die Musik steigert sich zu einem H\u00f6hepunkt, an dem die Violinen die Aktivit\u00e4t der Blechinstrumente zu \u00fcbernehmen scheinen, doch setzen sich letztlich die sanften, statischen Kl\u00e4nge durch und bringen das Werk zu einem beruhigten Abschluss. Mit einer Spieldauer von nur acht Minuten d\u00fcrfte das Werk in einem Symphoniekonzert unschwer unterzubringen sein. Gerade dieses St\u00fcck erscheint mir h\u00f6chst geeignet, seinem Sch\u00f6pfer Freunde zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auff\u00fchrungen der Klavierwerke durch Eberhard Hasenfratz und des Orchesterst\u00fccks durch das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Jens Georg Bachmann erweisen den Kompositionen einen guten Dienst. Ein Beiheft mit Werkeinf\u00fchrungen des Komponisten und Abbildungen der vertonten Gem\u00e4lde runden diese gelungene Produktion ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Oktober 2026]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ambitus, amb 95 624; EAN: 4011392956246 Das bei Ambitus erschienene Album Triptychon f\u00fcr Johann Sebastian Bach macht mit drei Kompositionen von Wolfgang-Andreas Schultz bekannt. Eberhard Hasenfratz (Klavier) spielt die Variationen \u00fcber ein Thema von J.&nbsp;S. Bach und die f\u00fcnf Pr\u00e4ludien und Fugen Im Blick der Bilder. 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