{"id":7672,"date":"2026-11-02T23:48:32","date_gmt":"2026-11-02T22:48:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=7672"},"modified":"2026-11-02T23:48:36","modified_gmt":"2026-11-02T22:48:36","slug":"musica-viva-franck-ollu-dirigiert-reudenbach-iannotta-und-zender","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/11\/02\/musica-viva-franck-ollu-dirigiert-reudenbach-iannotta-und-zender\/","title":{"rendered":"musica viva: Franck Ollu dirigiert Reudenbach, Iannotta und Zender"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Programm: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em>Michael Reudenbach: fast dasselbe. Musik f\u00fcr Orchester <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>-Clara Iannotta:\u00a0sand like gold-leaf in smithereens. Konzert f\u00fcr Violine, Orchester und Elektronik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em>Hans Zender: 33 Ver\u00e4nderungen \u00fcber 33 Ver\u00e4nderungen. Eine komponierte Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen f\u00fcr kleines Orchester [2010\u201311, Neufassung 2019]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Mitwirkende: Carolin Widmann (Violine), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Franck Ollu (Leitung), Zoro Babel (Klangregie)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7673\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/A5A2744-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 BRmusicaviva\/Astrid Ackermann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 30.10. 2026 spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Franck Ollu im gut besuchten M\u00fcnchner Herkulessaal im Rahmen der <em>musica viva <\/em>mit Michael Reudenbachs <em>fast dasselbe<\/em>, Clara Iannottas <em>sand like gold-leaf in smithereens <\/em>und Hans Zenders Variationen der beethovenschen <em>Diabelli-Variationen <\/em>eine spannende Mischung aus experimentierenden Urauff\u00fchrungen und der Auseinandersetzung mit einem \u201eKlassiker\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar ist der Herkulessaal eigentlich genuin kein Ort f\u00fcr Werke des Genres Klangskulptur oder -landschaft, die ersten beiden Werke bewiesen jedoch, dass auch St\u00fccke, die sich stilistisch an der Grenze zwischen instrumentalem Orchester- oder Konzertwerk und Soundscape bewegen, dort gut wirken k\u00f6nnen. Bei Reudenbachs <em>fast dasselbe<\/em> ist der Titel Programm: Es wird versucht, \u00e4hnlich bleibendem Material immer wieder etwas Neues abzugewinnen. Ein zun\u00e4chst solistisch in der Trompete vorgestellter Melodiefetzen wandert durch das Orchester; wird wiederholt, klangfarblich unterschiedlich ausgeleuchtet, variiert permutiert. Das St\u00fcck arbeitet mit punktuellen leisen Ereignissen. Es entsteht, auch durch die Verwendung von Mikrotonalit\u00e4t, eine wandernde vibrierende Fl\u00e4che. Das Orchester wirkt dadurch, dass es nur wenige verschiedene Schichten gibt, wie ein einziges Instrument, fast wie ein lebendiges Wesen, das sich langsam bewegt und dabei Ger\u00e4usche macht. Die zwischendurch auftretenden metronomischen Schl\u00e4ge der Perkussionsinstrumente lassen an Puls denken. Und doch hat man das Gef\u00fchl, die Zeit spiele keine Rolle, daf\u00fcr vielmehr die Ausbreitung im Raum. Schlie\u00dflich bewegt sich das Material nicht nur durch das Orchester, sondern damit auch im Raum. Wie in manchen minimalistischen Werken f\u00fchlt man sich aus dem klaren fortschreitenden Zeitverlauf heraus genommen. Das Prinzip des Werkes ist nicht neu: von den amerikanischen Minimalisten oder Morton Feldman gibt es \u00e4hnliche St\u00fccke. 20 Minuten sind f\u00fcr diese eine Idee allerdings zu lang \u2013 oder zu kurz, wenn man wirklich vollst\u00e4ndig in eine Klangwelt eintauchen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Clara Iannottas St\u00fcck <em>sand like gold-leaf in smithereens <\/em>nimmt man ebenfalls wie eine Klanglandschaft wahr. Oder vielleicht trifft es Klangmeer besser. Das Publikum taucht ein in ein Klangbad aus rollenden Wellen. Das Prinzip des Werkes ist, dass Ger\u00e4usche des Spielens elektronisch verst\u00e4rkt werden und durch die Wiedergabe \u00fcber an verschiedenen Orten positionierte Lautsprecher auch durch den Raum wandern. Dann wird in verschiedene Klangbestandteile der aufgenommenen Kl\u00e4nge hinein fokussiert. Das erinnert an St\u00fccke wie Stockhausens <em>Mikrophonie<\/em>. Diese Ger\u00e4usche mischen sich mit Ger\u00e4uschen vom Band wie z.&nbsp;B. Rauschen. Das St\u00fcck spielt mit der Schwelle, an der man wegen der \u00e4hnlichen Klangzusammensetzung als Zuh\u00f6rer bzw. Zuh\u00f6rerin nicht wirklich differenzieren kann, was der Ursprung des Ger\u00e4uschs ist: Zuspielung oder etwas Verfremdetes, gerade Erzeugtes. Als Instrumente verwenden v.&nbsp;a. die Streicher zus\u00e4tzlich stellenweise Klangschalen und Steine, deren Klang ebenfalls abgenommen und verst\u00e4rkt wiedergegeben wird. Die Idee, zu experimentieren, wie unterschiedliche Klangerzeuger \u2013 akustische und elektronische \u2013 doch \u00e4hnliche und ineinander \u00fcbergehende Kl\u00e4nge produzieren k\u00f6nnen, und diese zu verbinden hat durchaus Charme. Allerdings gilt wie f\u00fcr das erste St\u00fcck, dass f\u00fcr diese eine Idee die L\u00e4nge nicht ganz passend ist. Man fragt sich auch, warum das Werk als Solo-Konzert geschrieben ist, da die Solovioline wegen des beschriebenen elektronischen Verschwimmens selten aus dem Rest herauszuh\u00f6ren ist und auch mit ihrem Material keine herausgehobene Stellung einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kr\u00f6nender Abschluss sind Zenders <em>33 Ver\u00e4nderungen \u00fcber 33 Ver\u00e4nderungen. Eine komponierte Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen f\u00fcr kleines Orchester<\/em>. Sie sind extrem facettenreich und gleichzeitig Interpretation des beethovenschen Werks, Ausdeutung aber auch ein Sinnieren \u00fcber Motive, deren Klanglichkeit und von ihnen evozierte Stimmungen. Wer es nicht kennt, dem sei dieses St\u00fcck ans Herz gelegt! Es ist das letzte einer Reihe solcher Neuinterpretationen Zenders \u00e4lterer Werke. Bekannt ist von diesen St\u00fccken auch seine <em>Winterreise<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das BRSO und Franck Ollu spielen mit der meisterhaften Pr\u00e4zision, die das Werk ben\u00f6tigt. Das Changieren zwischen Br\u00fcchen von Ursprungsmaterial und Neuem oder Verfremdetem und der anderen Option der Neuinterpretation \u2013 weicheren \u00dcberg\u00e4ngen \u2013, ist dadurch perfekt wahrnehmbar. Besonders wirkungsvoll ist der Schluss, wenn dem originalen Klaviermaterial direkt die verfremdete Orchesterinterpretation gegen\u00fcbergestellt wird. Ein wirklich gelungener Konzertabend, der einen, auch noch nach ihrem Verstummen, \u00fcber die Bedeutung sich verselbst\u00e4ndigender Klangentwicklungen nachdenken l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Johanna Bulitta, November 2026]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Programm: &#8211;Michael Reudenbach: fast dasselbe. Musik f\u00fcr Orchester -Clara Iannotta:\u00a0sand like gold-leaf in smithereens. Konzert f\u00fcr Violine, Orchester und Elektronik &#8211;Hans Zender: 33 Ver\u00e4nderungen \u00fcber 33 Ver\u00e4nderungen. Eine komponierte Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen f\u00fcr kleines Orchester [2010\u201311, Neufassung 2019] Mitwirkende: Carolin Widmann (Violine), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Franck Ollu (Leitung), Zoro Babel (Klangregie) Am 30.10. &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2026\/11\/02\/musica-viva-franck-ollu-dirigiert-reudenbach-iannotta-und-zender\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">musica viva: Franck Ollu dirigiert Reudenbach, Iannotta und Zender<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":31,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[2854,2545,4638,1334,728,1761,507,2202,243,5153],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7672"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/31"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7672"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7674,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7672\/revisions\/7674"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}