{"id":772,"date":"2016-04-29T11:38:52","date_gmt":"2016-04-29T09:38:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=772"},"modified":"2016-04-29T11:38:52","modified_gmt":"2016-04-29T09:38:52","slug":"orgeltranskriptionen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/29\/orgeltranskriptionen\/","title":{"rendered":"Orgeltranskriptionen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">querstand (Klassiklabel der Verlagsgruppe Kamprad), vkjk 1402; EAN: 4 025796 014020<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0045.jpg\" rel=\"attachment wp-att-773\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-773\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/0045-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. 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Zu h\u00f6ren sind die Suite Nr. 2 aus Daphnis et Chlo\u00eb von Maurice Ravel in Bearbeitung von David Briggs, die popul\u00e4re Suite zu Maeterlincks Pell\u00e9as et M\u00e9lisande op. 80 von Gabriel Faur\u00e9 in einem Arrangement von Louis Robilliard, Saint Fran\u00e7ois de Paulemarchant sur les flots (Arr. Lionel Rogg) und die Symphonische Dichtung Prometheus (Arr. Jean Guillou) von Franz Liszt sowie eine eigene Bearbeitung von Claude Debussys Clair de Lune.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trefflicher k\u00f6nnte der Titel dieser CD des in Bozen geborenen Organisten Peter Kofler nicht den Inhalt auf den Punkt bringen: &#8222;Transkriptionen&#8220;. An der Orgel der Jesuitenkirche St. Michael zu M\u00fcnchen wagt Kofler sich an Transkriptionen bekannter Orchesterwerke von Ravel, Faur\u00e9 und Liszt, die allesamt durch komplexe Vielschichtigkeit und Ausnutzung des kompletten Orchesterapparats bestechen. H\u00f6hepunkt des Ganzen ist selbstverst\u00e4ndlich die enorm diffizile Suite Nr. 2 aus Daphnis et Chlo\u00eb von Maurice Ravel mit ihren weitl\u00e4ufigen und stets im Fluss befindlichen Begleitfiguren, die ein gesamtes Orchester auf eine harte Filigranit\u00e4ts-Probe stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Transkriptionen der Orchesterwerke sind im Gro\u00dfen und Ganzen recht gelungen, das priorit\u00e4re thematische Material ist meist gut durchh\u00f6rbar und wichtige Begleitfiguren bleiben erhalten. Dass gerade bei Ravel einige nicht ganz unentbehrliche Stimmen verloren gehen m\u00fcssen, ist unvermeidlich, doch f\u00e4llt dies zu keiner Zeit ausgesprochen unangenehm auf. Alle Bearbeitungen sind darauf angelegt, den Orchesterklang m\u00f6glichst vielseitig und plastisch wiederzuspiegeln und den reichen Tutti-Klang f\u00fcr einen einzelnen Spieler zu imaginieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Peter Kofler meistert seine Aufgabe als gesamtes Orchester mit Bravour und spielt die unvorstellbarsten Stimmgewirre in klarer Deutlichkeit und Schlichtheit. In Ravels erster Daphnis et Chlo\u00eb-Suite erreicht er einen sehr weichen, sanften und flie\u00dfenden Klang, der sanft verwischt, ohne ins Nebul\u00f6se abzugleiten. Teils gestaltet es sich gerade im ersten Teil, Lever du jour, als schwierig, wichtige Themen herauszuheben aus der schier erdr\u00fcckenden Klangmasse. Doch vor allem ab der Pantomime gelingt es, immer wieder hell strahlende Akzente zu setzen, die sich aus dem nivellierenden Gewaber an Stimmen absetzen. Gegen dieses imposante Werk wirkt die Suite aus Pell\u00e9as et M\u00e9lisande op. 80 von Gabriel Faur\u00e9 sehr beschaulich mit ihrer einpr\u00e4gsamen Thematik und ihren leicht-beschwingten kurzen S\u00e4tzen. Vor allem die Sicilienne ist nicht zu Unrecht ein wahrer Publikumsliebling geworden durch ihre h\u00f6fisch-feine Marnier, in der zarten Zur\u00fcckhaltung und dem introvertierten Gestus voll inniger Emotion. Kofler nimmt hier die Register stark zur\u00fcck, um einen durchh\u00f6rbaren Ton zu erzielen, welcher der t\u00e4nzerischen Schlichtheit entspricht. Wieder pomp\u00f6ser sind die beiden Werke aus der Feder von Franz Liszt in ihrer harten Bodenst\u00e4ndigkeit und Wuchtigkeit des Tuttis realisiert. Auch hier sorgt Kofler f\u00fcr klare Linien und Durchh\u00f6rbarkeit der einzelnen Stimmen, anstatt auf rauschend verschwimmenden Orgeleffekt zu setzen. Zuletzt gibt es noch eine kleine Transkription eines Klavierwerks, welches es bedauerlicherweise nicht einmal in die Nennung auf dem Cover geschafft hat: Clair de Lune von Claude Debussy. Anfangs macht es die instrumentenspezifisch undifferenzierbare Dynamik einer Orgel sehr schwierig, die Oberstimme deutlich herauszuh\u00f6ren, da die Lieget\u00f6ne die unscheinbare Bewegung \u00fcberlagern. Mit dem Fortschreiten des St\u00fccks treten jedoch alle Stimmen zusehends ans Licht. Ein Wiederschein des Klavierklangs ist in keinster Weise herauszuh\u00f6ren, anders als bei den restlichen Werken der CD kreiert die Transkription ein St\u00fcck mit eigenst\u00e4ndig charakteristischem Klang, der die Originalbesetzung eben nicht nachzubilden versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kofler achtet auf eine hohe Plastizit\u00e4t und Vielseitigkeit der Tongebung in allen Werken, er hat sich in der Registrierung sp\u00fcrbar auch mit dem Orchesteroriginal auseinandergesetzt, um dieses in seiner vollen Pracht und gro\u00dfer Spannweite auf seinem Instrument erbl\u00fchen zu lassen. Die Register sind gr\u00f6\u00dftenteils \u00e4u\u00dferst trefflich gew\u00e4hlt. Auf alle F\u00e4lle liegt hier ein spannender Versuch vor, bekannte Orchesterliteratur als einzelner Spieler m\u00f6glichst umfassend darzustellen &#8211; ein Versuch, der interessanterweise auf einen der hier zu h\u00f6renden Komponisten zur\u00fcckgeht: auf Franz Liszt, der seinerzeit alle Beethoven-Symphonien m\u00f6glichst originalgetreu f\u00fcr Klavier setzte. Die Erweiterung dessen liegt nun hier mit Werken von und nach Liszt f\u00fcr Orgel vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, April 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>querstand (Klassiklabel der Verlagsgruppe Kamprad), vkjk 1402; EAN: 4 025796 014020 An der Orgel der Jesuitenkirche St. Michael M\u00fcnchen spielt Peter Kofler Orchester- und Klavierwerke in Transkription. 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