{"id":799,"date":"2016-05-07T14:57:44","date_gmt":"2016-05-07T12:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=799"},"modified":"2016-05-07T14:57:44","modified_gmt":"2016-05-07T12:57:44","slug":"gewohnte-qualitaet-in-verbesserungswuerdiger-optik-und-akustik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/07\/gewohnte-qualitaet-in-verbesserungswuerdiger-optik-und-akustik\/","title":{"rendered":"Gewohnte Qualit\u00e4t in verbesserungsw\u00fcrdiger Optik und Akustik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Kurt Atterberg: Symphonie Nr. 3, Op. 10 \u201eV\u00e4stkustbilder\u201c; Drei Nocturnes, Op. 35bis; Vittorioso, Op. 58<br \/>\nG\u00f6teborger Symphoniker<br \/>\nNeeme J\u00e4rvi<br \/>\nCD 66\u201921 min., 1\/2015<br \/>\nChandos 2016<br \/>\nCHAN10894<br \/>\nEAN 0 95115 18942 9<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Grete0012.jpg\" rel=\"attachment wp-att-800\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-800\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Grete0012-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. 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Nun erscheint der vierte und mutma\u00dflich vorletzte Teil.<\/p>\n<p>Um es gleich vorweg zu sagen: Musikalische ist hier bis auf marginale Abstriche vieles im tief gr\u00fcnen Bereich: Die Symphonie Nr. 3 mit dem Beinamen \u201eV\u00e4stkustbilder\u201c z\u00e4hlt zu Kurt Atterbergs sch\u00f6nsten Orchesterwerken \u00fcberhaupt. Und Neeme J\u00e4rvi macht mit den G\u00f6teborger Symphonikern daraus ein Fest der Klangfarben und Stimmungen. Warum ist diese CD trotz allem ein gro\u00dfes \u00c4rgernis? Weil sie eine CD ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zugegeben, das klingt kryptisch f\u00fcr denjenigen, der die Atterberg-Reihe bislang nicht regelm\u00e4\u00dfig mitverfolgt hat. Es lohnt dann zu berichten, dass die ersten drei Teile des Zyklus auf SACD erschienen waren (was u.a. bei Chandos ein anderes Layout der seitlichen Beschriftung der Alben zur Folge hat). Nun hat der Sammler also Teil 1-3 in der braunlila-farbenen Optik der Chandos-SACDs im Regal stehen, und nun erscheint Teil 4 des Zyklus als \u201egew\u00f6hnliche CD\u201c, die ein v\u00f6llig anderes Layout er\u00f6ffnet. Sammler hassen es, wenn sich das Layout innerhalb einer laufenden Reihe \u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zudem haben wir ja schon einen Atterberg-Zyklus auf CD von cpo. Ein wichtiges Verkaufskriterium f\u00fcr den Atterberg-Zyklus bei Chandos war das SACD-Format, das aus G\u00f6teborg bislang in einem umwerfenden Klangbild geliefert wurde und vor allem auch im Mehrkanalton reichlich Spa\u00df generieren konnte. Nun wird also der treue K\u00e4ufer dieser Reihe pl\u00f6tzlich auf Standardniveau zur\u00fcckgesetzt und auch noch mit einer Layout-\u00c4nderung bestraft. Was das soll, kann wohl nur das Label verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Musikalisch hat diese Ver\u00f6ffentlichung n\u00e4mlich auch wieder das aus G\u00f6teborg inzwischen gewohnte Rhythmusproblem. Atterbergs Dritte ist rhythmisch n\u00e4mlich durchaus vertrackt (vor allem im zweiten Satz, der tonmalerisch einen \u201eSturm\u201c in die schwedische Westk\u00fcstenlandschaft zeichnet). Und wie schon bei den vorangegangenen Teilen versagen die G\u00f6teborger Symphoniker leider kl\u00e4glich in Fragen der rhythmischen Pr\u00e4zision. Rasilainen hatte da mit der NDR Radiophilharmonie und dem Radiosinfonieorchester Frankfurt des hr die besseren Orchester zur Hand. Wie schmerzt das, wenn man im Vergleich dazu etwa die sensationellen Schostakowitsch-, Sibelius- oder Nielen-Aufnahmen aus den 1990er- oder 1980er-Jahren zum Vergleich auflegt, bei denen die G\u00f6teborger Symphoniker fraglos zu den besten Orchestern der Welt gez\u00e4hlt werden mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Immerhin, was Neeme J\u00e4rvis Atterberg-Auslegung deutlich von der Rasilainens bei cpo unterscheidet, ist die \u201eSeele\u201c, die J\u00e4rvi dieser Musik verleiht. Das ist nach wie vor ganz gro\u00dfes Kino, wie J\u00e4rvi es versteht, einen Orchesterklang zu diesem samtig-sahnigen Schmelz zu vereinen, wie ihn nur J\u00e4rvi hinbekommt. Leidenschaft und Feuer lodern hier, gehen vielleicht manchmal sogar mit den schwedischen Musikern durch, was vielleicht zu den genannten rhythmischen Nickeligkeiten beigetragen haben k\u00f6nnte. Aber was f\u00fcr einen Spa\u00df macht das! Und wie viel Spa\u00df w\u00fcrde es erst im SACD-Mehrkanalklang machen ..!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Denn Atterbergs Dritte ist ein geradezu rauschhaft sch\u00f6nes St\u00fcck, gl\u00e4nzend orchestriert, mit einem Klangfarbenreichtum, den man selbst bei den gestandenen Sinfonikern des 20. Jahrhunderts nicht h\u00e4ufig findet. Ganz zu Recht wurde diese Sinfonie nach ihrer ersten Berliner Auff\u00fchrung als eine der sch\u00f6nsten und besten Sinfonien ihrer Zeit gehandelt, wurde (wie uns das gut geschriebene Booklet aufkl\u00e4rt) mit den besten Symphonischen Gem\u00e4lden eines Richard Strauss verglichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Atterbergs fortschrittliche Sp\u00e4tromantik war in den Jahren 1914 bis 1916, als diese Sinfonie entstand, auf einem ersten H\u00f6hepunkt. Und es ist ja auch interessant zu sehen, dass hier ein weiterer Komponist eine fast schon naturmystische Sinfonie in den Wirren des Ersten Weltkriegs komponiert hat. Eine spannende Parallele findet sich ja etwa in Ralph Vaughan Williams\u2018 \u201ePastoral Symphony\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die \u201eDrei Nocturnes\u201c und vor allem das schwungvolle, mit schwedischer Melodik durchwobene, sehr effektvoll komponierte \u201eVittorioso\u201c sind sehr willkommene, ausgesprochen sch\u00f6ne Zugaben zu der mehr als 36-min\u00fctigen gro\u00dfen Sinfonie. Beide sind Weltersteinspielungen. Sch\u00f6n, dass man diese h\u00fcbschen Werke nun in so guter Qualit\u00e4t anh\u00f6ren kann!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz und gut: Neeme J\u00e4rvis Atterberg-Zyklus bleibt trotz der \u00fcblichen kleinen Abstriche auf dem Rhythmussektor auch mit Folge Nr. 4 zurzeit die Erste Wahl. Auch ist trotz einer schlichtweg \u00e4rgerlichen Ver\u00f6ffentlichungspolitik des Labels, das mitten in der laufenden Ver\u00f6ffentlichungsreihe von SACD auf CD umgestellt hat, dieser Zyklus bis jetzt einfach der musikalischere und emotionalere im Vergleich zu dem Ari Rasilainens auf cpo, der die besseren Orchester haben mag, dem im Vergleich zu J\u00e4rvis Einspielungen aber Leidenschaft, Begeisterung, \u201eFeuer\u201c fehlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Atterberg: Symphonie Nr. 3, Op. 10 \u201eV\u00e4stkustbilder\u201c; Drei Nocturnes, Op. 35bis; Vittorioso, Op. 58 G\u00f6teborger Symphoniker Neeme J\u00e4rvi CD 66\u201921 min., 1\/2015 Chandos 2016 CHAN10894 EAN 0 95115 18942 9 Neeme J\u00e4rvis Atterberg-Zyklus ist erst der zweite am Markt, neben demjenigen von cpo mit Ari Rasileinen. 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