{"id":810,"date":"2016-05-09T11:18:19","date_gmt":"2016-05-09T09:18:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=810"},"modified":"2016-05-17T23:12:41","modified_gmt":"2016-05-17T21:12:41","slug":"zauberhaft-authentisch-beruehrend-yamile-cruz-montero-und-christos-asonitis-spielen-kubanische-musik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/09\/zauberhaft-authentisch-beruehrend-yamile-cruz-montero-und-christos-asonitis-spielen-kubanische-musik\/","title":{"rendered":"Zauberhaft, authentisch, ber\u00fchrend &#8211; Yamil\u00e9 Cruz Montero und Christos Asonitis spielen kubanische Musik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die 1985 in Havanna geborene Pianistin Yamil\u00e9 Cruz Montero spielt in der Mohr-Villa in Freimann im M\u00fcnchner Norden Werke kubanischer Landsleute, teilweise in Kollaboration mit dem griechischen Schlagzeuger Christos Asonitis. Neben Zeitgen\u00f6ssischem, darunter zwei vertrackten Kompositionen der bekanntesten kubanischen Komponistin Tania Le\u00f3n und zwei Eigenkompositionen von Frau Cruz Montero, spielte sie auch Klassiker von Ernesto Lecuona und, als Zugabe und einziges Werk des 19. Jahrhunderts, Ignacio Cervantes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon k\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/03\/16\/aus-der-weiblichen-perspektive\/\" target=\"_blank\">berichtete the-new-listener.de von einem Konzert<\/a>, in welchem Yamil\u00e9 Cruz Montero ausschlie\u00dflich zeitgen\u00f6ssische Werke von Komponistinnen, darunter mehrere Urauff\u00fchrungen, vortrug. Und schon da war erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit, filigranen Feinnervigkeit, rhythmischem Groove und nat\u00fcrlicher Sanglichkeit sie agierte. Das Konzert in der Mohr-Villa \u2013 in eher etwas indifferenter Akustik auf einem zwar nicht makellosen, da nur bedingt modulationsf\u00e4higen, aber doch auch nicht allzu unbefriedigenden Hohner-Fl\u00fcgel \u2013 begann sie denn auch mit eben jener Danz\u00f3n von der in Holland lebenden Keyla Orozco und den zwei virtuosen St\u00fccken \u201aMomentum\u2019 und \u201aTumbao\u2019 von Tania Le\u00f3n, die sie bereits zuletzt im Programm f\u00fchrte. Und es war erfreulich, h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, wie die Werke unter ihren H\u00e4nden weiter reifen. Neu dann \u201aReencuentro\u2019 von dem 1958 geborenen, komponierenden Klaviervirtuosen Ern\u00e1n L\u00f3pez Nussa, nunmehr unter so dezenter wie stimulierender Mitwirkung von Asonitis am Percussion-Set. Man darf staunen, wie wunderbar die beiden aufeinander eingespielt sind, und diese durchaus auf traditionellen karibischen Elementen aufbauende Musik swingte nicht nur in transparenter Zartheit, sondern entfaltete eine improvisatorische Anmut. Eine von geschmackvoller Sensitivit\u00e4t getragene Musik, die man gerne wieder h\u00f6ren m\u00f6chte. Es schlossen sich vor der Pause noch, nunmehr wieder f\u00fcr Klavier solo, die Variationen \u00fcber ein (innig romantisches) Thema von Silvio Rodriguez aus der Feder von Andr\u00e9s Al\u00e9n an \u2013 1950 geboren, hat er sich einst auch seine Sporen als Pianist verdient. Man merkt seinem Zyklus an, dass er aufmerksam die gro\u00dfen Vorbilder in der Gattung studierte, und in einer Variation scheint tats\u00e4chlich Brahms eine kleine Stippvisite zu machen. Allerdings wirkt das Werk insgesamt auch etwas bem\u00fcht scholastisch und ist nicht von einem durchgehenden Spannungsbogen getragen. Yamil\u00e9 Cruz Montero bem\u00fchte sich nach Kr\u00e4ften, der nicht allzu \u00fcberzeugenden Entwicklung den durchgehenden Lebensimpuls einzuhauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was noch zu w\u00fcnschen w\u00e4re: dass sie ihren sehr liebevoll und offenherzigen Einf\u00fchrungsworten etwas mehr Information \u00fcber die hierzulande ja v\u00f6llig unbekannten Komponisten hinzuf\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause folgte, was L\u00e4nge, Gehalt und stilistische Vollendung betrifft, zun\u00e4chst das Hauptwerk des Abends, zwar kubanischer Herkunft, aber doch auch das einzige nicht kubanische Werk des Abends: die sechss\u00e4tzige Suite Andalucia vom Nationalkomponisten Ernesto Lecuona. Hier konnte Yamil\u00e9 Cruz Montero ihr ganzes K\u00f6nnen ausspielen, in feinen Schattierungen und unwiderstehlichen Rhythmen, und es ist Musik, die ohnehin Vergn\u00fcgen bereiten m\u00f6chte und nur darauf wartet, dass jemand wie hier sein ganzes Herz und seine Ausdrucksst\u00e4rken in ihren Dienst stellt. Ganz besonders zauberhaft die S\u00e4tze \u201aAlhambra\u2019 und \u201aMalague\u00f1a\u2019, und ganz besonders quirlig die \u201aGitanerias\u2019. Danach erwarteten wir gespannt zwei Eigenkompositionen der Pianistin: ein schlichtes, erstaunlich fein gesponnenes und in den Fortschreitungen durchaus kraftvolles St\u00fcck, das im Verh\u00e4ltnis von K\u00f6nnen und Wollen stimmig erschien. Danach, nun wieder unter Mitwirkung des Schlagzeugs, das Schauspielmusik-Extrakt \u201aEl drag\u00f3n en la luna\u2019, mit vielen z\u00fcndenden Momenten, aber auch nicht so organisch etwickelt wie das vorangehende Solo-Pr\u00e4ludium, sondern eher eine geschickte Montage unterschiedlicher Elemente. Die beiden boten dann noch von dem afro-kubanischen Jazzmusiker Aldo L\u00f3pez Gavil\u00e1n \u201aEl p\u00e1jaro carpintero\u2019 dar, sehr zur Freude des begeistert mitgehenden, zahlreich erschienenen Publikums, das mit dieser Musik so richtig \u201ein Fahrt\u201c gekommen war und gar keine Anstalten machte, nach Hause gehen zu wollen. Also folgte noch einmal Lecuona, diesmal mit einem kubanischen Tanz unter Mitwirkung des etwas zu kr\u00e4ftigen Schlagzeugs (dadurch werden vor allem die tiefen Register des Klaviers sehr \u00fcbert\u00f6nt), und zum Schluss Yamil\u00e9 Cruz Montero alleine mit einem popul\u00e4ren Klassiker von Cervantes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide K\u00fcnstler verdienen den Enthusiasmus, der ihnen entgegenschlug. Christos Asonitis ist ein so einfallsreicher wie unaufdringlicher, hochkultivierter und hellwacher Schlagzeuger, der dem kleinen Set einen gro\u00dfen Reichtum an Nuancen entlockt und nicht in routinierte Mechnizit\u00e4t abgleitet. Und Yamil\u00e9 Cruz Montero w\u00fcnscht man noch sehr viel Erfolg, und dies wahrlich aus mehr Gr\u00fcnden als der durchaus zauberhaften Erscheinung wegen! Was wir so oft vermissen auf dem Podium: ein durchweg aufrichtiger Mensch und authentischer K\u00fcnstler, ohne jegliche Pr\u00e4tention, gewiss zu menschlich und bescheiden f\u00fcr das Ellenbogen-Business der Starkult-Klassikwelt, daf\u00fcr ber\u00fchrend und echt in allem, was sie tut. Und durchaus auch mit dem Potential f\u00fcr eine Virtuosin von Rang versehen. Wir sind gespannt, was sie noch alles f\u00fcr uns entdecken wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Lucien-Efflam Queyras de Flonzaley, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1985 in Havanna geborene Pianistin Yamil\u00e9 Cruz Montero spielt in der Mohr-Villa in Freimann im M\u00fcnchner Norden Werke kubanischer Landsleute, teilweise in Kollaboration mit dem griechischen Schlagzeuger Christos Asonitis. 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