{"id":820,"date":"2016-05-13T22:25:39","date_gmt":"2016-05-13T20:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=820"},"modified":"2016-05-13T22:25:39","modified_gmt":"2016-05-13T20:25:39","slug":"zurueck-zur-kindheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/13\/zurueck-zur-kindheit\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck zur Kindheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ars Productions, ARS 38 212; EAN: 4 260052 382127<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/0048.jpg\" rel=\"attachment wp-att-821\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-821\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/0048-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. 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Vielen ist sein Name zwar ein Begriff, doch steht er nach wie vor nur in Ausnahmef\u00e4llen auf dem Programm &#8211; und dann h\u00f6chstens seine dritte Violinsonate &#8222;dans le caract\u00e8re populaire roumain&#8220; oder andere volksmusikalisch angehauchte Werke. Seine f\u00fcnf Symphonien, von denen drei vollendet sind, die vier fr\u00fchen Jugendsymphonien oder die Konzerte wie auch die Concertante f\u00fcr Cello sind im heutigen Konzertleben gar nicht pr\u00e4sent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem sie vergangenes Jahr bereits die dritte Sonate gemeinsam mit Werken von Bloch, Ravel und De Zeegant f\u00fcr Ars Productions eingespielt hatten, widmen sich Stefan Tarara und Lora Vakova-Tarara nun den beiden Vorg\u00e4ngern, den Sonaten Op. 2 in D-Dur und Op. 6 in f-Moll, beide vor Enescus 20. Geburtstag entstanden. Und was erg\u00e4nzte diese Jugendwerke besser als die &#8222;Impressions d&#8217;enfance&#8220;, die Impressionen aus der Kindheit, Op. 28, wenngleich der Rum\u00e4ne zur Kompositionszeit bereits fast seinen sechzigsten Geburtstag erreicht hatte. Beide Sonaten warten mit erstaunlicher Reife, mit virtuosem und spielfreudigem Passagenwerk, belebender Frische, inniger Lyrik, und auch mit ansprechenden Klangeffekten auf. Sie sind jeweils in klassischer Dreis\u00e4tzigkeit gegliedert mit einem langsamen Mittelsatz, der von zwei belebten S\u00e4tzen umrahmt wird. \u00dcberhaupt dienen klassische Formideale als zeitlose Vorbilder, wenngleich sie durchaus gelockert und teilweise kurzzeitig in Frage gestellt werden. &#8222;Impressions d&#8217;enfance&#8220; hingegen ist ein zusammenh\u00e4ngender Zyklus aus zehn Miniaturen, von denen die k\u00fcrzesten nur knapp \u00fcber 20 Sekunden andauern. Diese Miniaturen werden unterbrechungslos gespielt, gehen also direkt ineinander \u00fcber, tats\u00e4chlich wie Eindr\u00fccke aus der Kindheit, deren Bilder und Laute vor dem inneren Auge vor\u00fcberziehen und sich zu einer emotionalen Landschaft verbinden. Das Werk hat eine ausgesprochen bildhafte Sprache, und oft scheinen diese Bilder auch ohne Wissen um die Titel unmittelbar erkennbar. Impressions d&#8217;enfance ist ein wunderbar ausgereiftes Werk, welches einen stringenten roten Faden durch die Miniaturen zieht, der diese Charakterst\u00fccke unwiderstehlich eint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcblicherweise gehe ich auf Albumcovers nicht ein, aber hier kommt man absolut nicht drum herum. Bei Childhood Impressions ist auch das optisch \u00c4u\u00dferliche schon ein Kunstwerk, abgestimmt mit bunter Schrift, Kindermalereien im Booklet, Fotographien vom Spielen auf dem Feld (Stefan Tarara wirft auf einem Foto seine Geige hoch in die Luft wie einen Ball &#8211; hoffentlich f\u00e4ngt er sie auch wieder auf!), und doch beh\u00e4lt alles einen seri\u00f6sen und k\u00fcnstlerisch hochwertigen Eindruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Musiker harmonisieren ausgesprochen gut und h\u00f6ren genau aufeinander, stimmen ihr Spiel ma\u00dfvoll ab. Lora Vakova-Tarara am Klavier gibt den Werken einen soliden, harten und kompakten Ton, der eine betont maskuline Attit\u00fcde zur Folge hat. Sie ist pr\u00e4zise und lupenrein in ihrem Spiel, kann auch feine Dynamikabstufungen minuti\u00f6s in die Waagschale legen. Der Violinist Stefan Tarara bringt sehr innige und feinf\u00fchlige Kl\u00e4nge aus seinem Instrument hervor, die sich allen musikalischen Gegebenheiten anschmiegen \u2013 wodurch auch \u00a0gelegentliche minimal abweichende Intonation gar nicht st\u00f6rt. Gerade bei klangmalerisch abbildenden Effekten kann Stefan Tarara auftrumpfen, besonders offensichtlich bei der Klangillustration der Grille (Grillon) und dem Vogel (Oiseau) aus den Kindheitsimpressionen sowie auch im Mittelsatz der zweiten Sonate &#8211; vor allem die Tiere wirken fast naturalistisch echt! Als Duett wirken Stefan Tarara und Lora Vakova-Tarara gemeinsam in einer lockeren und beschwingten Art, von fast naiver Leichtigkeit und doch mit ausgesprochenem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die musikalischen Bez\u00fcge. Beide leben im gerade erklingenden Moment und k\u00f6nnen diesen in aller Pracht entstehen lassen. Bei den langen Sonatens\u00e4tzen kommt jedoch teils der gro\u00dfe Bogen, der sich unweigerlich von der ersten bis hin zur letzten Note erstrecken muss, nicht zustande. Wesentlich leichter nachvollziehbar ist die Linie durch die zehn Miniaturen der Impressions d&#8217;enfance, die in der Darbietung von Tarara und Vakova-Tarara eine klare Struktur aufweisen und auch in den \u00dcberg\u00e4ngen mit zwingender Sinnhaftigkeit fesseln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">George Enescu schrieb eine immer aufs Neue faszinierende Musik, durchtr\u00e4nkt mit echtem rum\u00e4nischen Geist und von seinen namhaften Lehrern Faur\u00e9 und Massenet gepr\u00e4gter satztechnischer Eleganz. Es ist unglaublich schwierig, Enescu wirklich zu verstehen, seine Musik aus dem Volkst\u00fcmlichen und Naiv-Schlichten heraus entstehen zu lassen, ohne gek\u00fcnstelt und steril zu werden. Stefan Tarara und Lora Vakova-Tarara schufen hier eine eindrucksvolle Aufnahme, die eben die kindliche Leichtigkeit und das innere Gef\u00fchl bewahrt, auf stilvolle Weise scherzen kann und die Musik unpr\u00e4tenti\u00f6s hervortreten l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Productions, ARS 38 212; EAN: 4 260052 382127 &#8222;Impressions d&#8217;enfance&#8220; f\u00fcr Violine und Klavier Op. 28 von George Enescu sowie die \u2013 weniger gespielten \u2013 ersten beiden seiner drei gro\u00dfen Violinsonaten sind zu h\u00f6ren auf dem Album &#8222;Childhood Impressions&#8220; von Stefan Tarara und Lora Vakova-Tarara, erschienen bei Ars Productions. 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