{"id":828,"date":"2016-05-17T17:49:23","date_gmt":"2016-05-17T15:49:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=828"},"modified":"2016-06-20T19:33:11","modified_gmt":"2016-06-20T17:33:11","slug":"bilder-und-momente","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/17\/bilder-und-momente\/","title":{"rendered":"Bilder und Momente"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos 8.573469; EAN: 7 47313 34697 4<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/0050.jpg\" rel=\"attachment wp-att-829\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-829\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/0050-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. When using this template, post copyright post in your project. 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Den zweiten Band der \u00c9tudes-tableaux Op. 39 und die zwanzig Jahre fr\u00fcher entstandenen Moment musicaux Op. 16 (wenn auch die Jahreszahlen auf der CD vertauscht wurden) spielt der 1984 in Moskau geborene Pianist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die unglaubliche Inspiriertheit von Sergei Rachmaninoff manifestiert sich nirgendwo monumentaler als in seinen Klavierminiaturen. Der lyrische Moment der nachklingenden Romantik ist in diesen auf vollendete Weise enthalten, sie haben eine fesselnde und mitrei\u00dfende Wirkung, stets schillernde Bildhaftigkeit und auch pianistisch mehr als reizvolle Passagen. Sehr eindr\u00fccklich zeigen dies bereits die fr\u00fchen Moments musicaux Op. 16 von 1896, von welchen vor allem die vierte Nummer in e-Moll ber\u00fchmt geworden ist durch ihre packende Virtuosit\u00e4t, \u00fcber die sich ein Thema erhebt, welches schlichter und eing\u00e4ngiger kaum sein k\u00f6nnte. F\u00fcr mich der spannendste und vielleicht ausgereifteste Werkzyklus des Russen bleibt allerdings derjenige der \u00c9tudes-tableaux, der in zwei B\u00e4nden Op. 33 und Op. 39 erschienen ist. &#8222;Et\u00fcden-Bilder&#8220;, dieser Name trifft den Inhalt vorz\u00fcglich, weisen doch alle enthaltenen St\u00fccke horrende technische Anforderungen auf (teils hintergr\u00fcndig und versteckt wie bei Op. 33, Nr. 3, doch beim Spielen durchaus merklich, denn gerade hier liegt die Herausforderung darin, die Stimmf\u00fchrung herauszumei\u00dfeln &#8211; auch das ist eine technisch nicht zu untersch\u00e4tzende Aufgabe!) und sind doch allesamt keine reinen \u00dcbungsst\u00fccke, sondern abstrakte Illustrationen oder, wie Giltburg in seinem Booklettext schreibt, Kurzgeschichten, teils wie akustische Filmvorlagen. Die Et\u00fcden aus dem hier zu h\u00f6renden Opus 39 weisen zwar nicht die w\u00fcrzige K\u00fcrze und Unmittelbarkeit derjenigen aus Op. 33 auf, doch daf\u00fcr einen viel weiter gespannten Bogen \u00fcber mehrere Abschnitte hinweg, noch h\u00f6here pianistische Anforderungen und eine ausgereifte Vielstimmigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Boris Giltburg findet in den Werken einen durchwegs lyrischen Grundcharakter, eine gewisse Weichheit und bildliche Strahlkraft. Auch die vielstimmigen Akkorde erhalten einen vollen Ton und gleiten nicht in ein dumpfes Schlagen ab. Manuell kann Giltburg bis hin in enorme Tempi \u00fcberzeugen, manch horrend schwieriges St\u00fcck ger\u00e4t bei ihm gar noch schneller als vom Komponisten intendiert und l\u00e4sst dadurch staunen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einiges verliert sich allerdings in Willk\u00fcr, so werden die Tempi zu oft durch freie Rubati unterbrochen und jeder Grundpuls geht dadurch verloren, teilweise auch die innere Ruhe durch beschleunigenden Puls wie in Op. 39, Nr. 2. Die Ritardandi sind zudem vielerorts mechanisiert und treten automatisch an gewissen Stellen auf, meist beim Zulaufen auf den neuen Takt oder einen Themeneinsatz. Aus mir nicht erkennbaren Gr\u00fcnden, scheinbar unbewusst, durchlebt die Dynamik erhebliche Abweichungen von der in den Noten stehenden Vorzeichnung, wodurch einige Kontraste verloren gehen. Nicht zuletzt tauchen, haupts\u00e4chlich bei den Et\u00fcden, auch einige zentrale Melodien komplett in den Untergrund ab, die entscheidend f\u00fcr die melodische Aussage der Werke w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So w\u00e4re wirklich zu w\u00fcnschen, Boris Giltburg w\u00fcrde intensiv daran arbeiten, die St\u00fccke aus ihrer Unmittelbarkeit heraus zu erleben und aus mancherlei tradierten Willk\u00fcrlichkeiten, Manierismen und Mechanisierungen zu befreien. Denn die Auffassungsgabe, den Kern aus der Musik herauszuholen, hat er eigentlich und kann es in manchen St\u00fccken auch eindrucksvoll umsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.573469; EAN: 7 47313 34697 4 \u00dcber siebzig Minuten Rachmaninoff gibt es auf der nunmehr dritten CD von Boris Giltburg f\u00fcr Naxos zu h\u00f6ren. 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