{"id":833,"date":"2016-05-18T23:56:32","date_gmt":"2016-05-18T21:56:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=833"},"modified":"2016-05-19T00:10:34","modified_gmt":"2016-05-18T22:10:34","slug":"verschiedenste-einfluesse-wie-aus-einem-guss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/18\/verschiedenste-einfluesse-wie-aus-einem-guss\/","title":{"rendered":"Verschiedenste Einfl\u00fcsse, wie aus einem Guss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Karl Weigl<br \/>\nKlavierkonzert f\u00fcr die linke Hand Es-Dur, Violinkonzert D-Dur<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Raphael0001-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-837\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-837\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Raphael0001-1-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. 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Er bewahrt zweifellos die alte Haltung jenes musikalischen Geistes, welcher einen der besten Teile der Wiener Kultur darstellt.\u201c So urteilte kein Geringerer als Arnold Sch\u00f6nberg \u00fcber diesen Komponisten, der sich nach dem &#8222;Anschluss&#8220; \u00d6sterreichs 1938 gezwungen sah, in Amerika neu zu beginnen. Doch sollten die Worte seines ber\u00fchmten Kollegen Weigl nicht davor bewahren, \u00e4hnlich wie sein einstiger Lehrmeister Alexander von Zemlinsky, sein Leben und Werk 1949 im New Yorker Umfeld stillschweigender Ignoranz zu beschlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Wien ein gesch\u00e4tzter Komponist und Lehrer, dessen Werke im Repertoire so ber\u00fchmter Namen wie Furtw\u00e4ngler und Szell zu finden waren, blieb Musik des 1881 in Wien geborenen Weigl trotz pr\u00e4gender Freundschaft zum mehr als sechs Jahre \u00e4lteren Sch\u00f6nberg der Sp\u00e4tromantik verhaftet. Das mag ein Grund daf\u00fcr gewesen sein, warum der im 1. Weltkrieg am rechten Arm amputierte Pianist Paul Wittgenstein ihn 1924 damit beauftragte, ein Klavierkonzert f\u00fcr ihn zu schreiben. Zu einer Urauff\u00fchrung kam es jedoch nicht. W\u00e4hrend die von Wittgenstein ebenfalls abgelehnten Auftragskompositionen f\u00fcr die linke Hand von Ravel und Prokofjew fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ihren Weg ins Standardrepertoire der Pianisten nahmen, verschwand Weigls Konzert (wie auch dasjenige Hindemiths, das erst Leon Fleisher 2004 in Berlin erstmals zu Geh\u00f6r brachte) ungeh\u00f6rt und wurde 2002 von dem Pianisten Florian Krump\u00f6ck uraufgef\u00fchrt. Seiner Interpretation ist es zu verdanken, dass dieses Werk in seiner Konzeption des sinfonischen Klavierkonzertes auf dieser Ersteinspielung von 2013 plastischen Ausdruck findet. Im Gegensatz zu Ravel und Prokofjew begreift Weigl das Klavier nicht als Widerpart des Orchesters, sondern als Teil des sinfonischen Organismus. Er versucht gar nicht erst, die Einsamkeit der linken Hand hinter einer scheinbaren Vielstimmigkeit zu maskieren, sondern legt sie vor allem im zweiten Satz in einer entr\u00fcckten Arie \u00fcber den orchestralen Klangk\u00f6rper. Krumb\u00f6ck, dessen Virtuosit\u00e4t und Gestaltungskraft niemals zum Selbstzweck verkommt, wei\u00df die cantablen Linien empfindsam nachzuzeichnen und die Vielschichtigkeit des Konzertes, das in seinem Aufbau und dem heroischen Gestus Beethovens f\u00fcnftem Klavierkonzert durchaus nachempfunden ist, gekonnt herauszuarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das 1928 entstandene Violinkonzert D-Dur ist nicht nur in der Tonart von Beethoven inspiriert. Das Orchestervorspiel zu Beginn scheint in seiner L\u00e4nge eher einem klassischen Vorbild zu entspringen. Umso mehr \u00fcberrascht der ganz im sp\u00e4tromantischen Tenor eines Max Bruch gehaltene Einsatz der Violine. David Fr\u00fchwirth st\u00fcrzt sich hier beherzt ins philharmonische Get\u00fcmmel und beherrscht die Szenerie von der ersten Note an. Ist der solistische Part im Klavierkonzert noch mehr in den sinfonischen Satz integriert, so steht die Violine hier dem Orchester im Dialog gegen\u00fcber. Fr\u00fchwirths wunderbar durchphrasiertes Spiel vermag, sich deklamatorisch gegen die vielen Register der gro\u00dfen Besetzung zu behaupten. Im zweiten Satz besticht sein biegsamer, gesanglicher Ton, der den gro\u00dfen Bogen nie verliert. So wirkt das Miteinander verschiedenster Einfl\u00fcsse, die die epischen Klangfl\u00e4chen eines Mahler ebenso wie die instrumentale Vielfarbigkeit eines Strauss beheimaten, stets aus einem Guss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Norddeutsche Philharmonie Rostock h\u00e4tte im Violinkonzert Fr\u00fchwirth unter Krump\u00f6ck, ebenso wie im Klavierkonzert Krump\u00f6ck unter Manfred Hermann Lehner, als sinfonisches Gegen\u00fcber in der Gestaltung mehr zur Seite stehen k\u00f6nnen. Bleibt zu hoffen, dass diese beiden im Ganzen gelungenen Darbietungen der Solisten zuk\u00fcnftig dem H\u00f6rer Augen und Ohren f\u00fcr die Musik Karl Weigls \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Raphael Buber, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Weigl Klavierkonzert f\u00fcr die linke Hand Es-Dur, Violinkonzert D-Dur Capriccio CD C 5232 ISBN: 845221052328 \u201eIch habe Karl Weigl immer als einen der besten Komponisten der alten Generation betrachtet; einer derer, die die glanzvolle Wiener Tradition weiterf\u00fchren. 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