{"id":850,"date":"2016-05-24T17:12:52","date_gmt":"2016-05-24T15:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=850"},"modified":"2016-05-26T12:16:32","modified_gmt":"2016-05-26T10:16:32","slug":"zwischen-den-welten-der-pianist-und-komponist-david-ianni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/24\/zwischen-den-welten-der-pianist-und-komponist-david-ianni\/","title":{"rendered":"Zwischen den Welten &#8211; Der Pianist und Komponist David Ianni"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_9556.jpg\" rel=\"attachment wp-att-851\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-851 alignnone\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_9556-200x300.jpg\" alt=\"IMG_9556\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_9556-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_9556-768x1152.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_9556-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><br \/>\n<em> David Ianni (Foto: Vito Labalestra)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine musikalische Heimat liegt au\u00dferhalb der uns heute gel\u00e4ufigen Kategorien &#8211; und ist doch tief in Traditionen und Genres verwurzelt: Der Pianist und Komponist David Ianni.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 1979 in Luxemburg als Sohn eines italienischen Vaters und einer luxemburgischen Mutter geborene Musiker genoss fr\u00fch eine klassische Musikausbildung und schloss bereits mit 15 Jahren sein Klavierstudium ab, worauf er mit Liszt 2. Klavierkonzert deb\u00fctierte. Noch vor seinem zwanzigsten Geburtstag nahm er zwei klassische Alben auf, wonach er sich allerdings von der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckzog, in eine Sinnkrise geriet und seine wahre musikalische Identit\u00e4t suchte. Dies brachte Ianni unweigerlich zum Komponieren, das ihn seit seinen fr\u00fchesten musikalischen Studien in den Bann zog. Er stellte fest, dass das Schaffen einer eigenen Kunst seine eigentliche Aufgabe darstellt und nicht das blo\u00dfe Wiedergeben bereits existierender Werke. Seitdem schrieb er weit \u00fcber einhundert mit Opuszahlen versehene Werke, wobei dem Klavier eine zentrale Rolle zuf\u00e4llt, und auch der geistlichen Chormusik. Ein Oratorium und eine Kinderoper entstammen seiner Feder. Zwei CDs seiner Klaviermusik und zwei CDs mit Bearbeitungen gregorianischer Chor\u00e4le f\u00fcr Chor und Klavier sind mittlerweile erschienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Sehnsucht nach einer Musik, die ich nicht bei anderen finden konnte, hat mich von Anfang an angetrieben, meine eigene Musik zu schreiben&#8220;, erz\u00e4hlt David Ianni. Und tats\u00e4chlich ist seine Musik eine vollkommen eigene, die sich von traditionellen Stilvorgaben bewusst absetzt. Die Musik existiert zwischen den Welten, zwischen den klassischen wie romantischen Idealen einerseits und der aktuellen Popul\u00e4rmusik und Filmmusik andererseits, wobei teilweise auch weitere Elemente wie etwa Jazz oder Minimal Music hinzu kommen. Von den klassisch-romantischen Traditionen entstammt die spieltechnisch diffizile Virtuosit\u00e4t und Komplexit\u00e4t, au\u00dferdem lassen sich Einfl\u00fcsse gro\u00dfer Instrumentalkomponisten wie Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, von Meistern der Wiener Klassik oder russischen Komponisten finden. Die Harmoniegestaltung ist allgemein recht vielseitig und interessant, es begegnen einem bewusst eingesetzte Dissonanzen und pl\u00f6tzliche, unerwartete harmonische Umschw\u00fcnge. All dies wird durch typische Elemente der Popul\u00e4rklaviermusik f\u00fcr die heutige Zeit aufbereitet, so treten etwa durchgehende repetitive Begleitfiguren auf, die Musik ist klar an der Taktstruktur ausgerichtet und \u201egroovt\u201c, die Akkordik schwankt durchg\u00e4ngig zwischen Dur und dazugeh\u00f6rigem Moll, was dem Ganzen den leicht fasslichen Pop-Anstrich verpasst. Leichtigkeit und Melancholie gehen in dieser Musik Hand in Hand. Doch die Einengung als reine Popul\u00e4rmusik w\u00e4re keineswegs zutreffend, Begleitfiguren und Melodieb\u00f6gen sind l\u00e4nger und komplexer, au\u00dferdem ist die Musik sp\u00fcrbar anspruchsvoller f\u00fcr den ausf\u00fchrenden Musiker als etwa in stilistisch vergleichbarer Filmmusik \u00fcblich. Somit hebt Ianni die Pop-Sph\u00e4re auf ein au\u00dfergew\u00f6hnlich anspruchsvolles Niveau, welches Klassikanh\u00e4nger wie die Freunde entspannten Nebenbei-Hinh\u00f6rens gleicherma\u00dfen ansprechen kann, er bringt die sonst einander so fremden Welten zum Verschmelzen. Nicht zuletzt in seinen Titeln ist das sichtbar, so komponiert David Ianni kurze &#8222;Songs&#8220; ebenso wie gro\u00dfformatige &#8222;Sonaten&#8220; &#8211; zentrale Werkformen beider Herkunft vereint er gleichberechtigt in seinen Konzertprogrammen und spielt sie mit einer angenehm fesselnden minimalistischen Schlichtheit und lichten Klarheit, ohne jedoch je musikalisch einf\u00f6rmig beziehungsweise undifferenziert zu werden. Die f\u00fcr seine Musik so typischen raschen und pianistisch anspruchsvollen Figuren pr\u00e4sentiert David Ianni am Klavier mit spielerischer Leichtigkeit. Komposition und Auff\u00fchrung sind bei ihm absolut untrennbar und \u00fcbereinstimmend im Ausdruck, als ein t\u00e4nzerisches Gesamtkunstwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine ihm selbst gestellte Aufgabe vor Augen, die Tiefe und Sch\u00f6nheit der menschlichen Existenz mit musikalischen Mitteln zum Ausdruck zu bringen, motiviert den luxemburgischen Pianisten immerzu, weitere neue Musik zu schreiben und seinem Ideal dabei jeweils ein St\u00fcck n\u00e4her zu kommen. Wohin diese Reise f\u00fchren wird, l\u00e4sst sich nicht sagen, doch wird sie weiterhin die Grenzen der Stile sprengen, die Welten verbinden und neue Gefilde entdecken. F\u00fcr den Zuh\u00f6rer ist diese Gratwanderung schon jetzt ein zugleich spannendes wie entspannendes Erlebnis, au\u00dferdem eine harmonisch ber\u00fchrende, dem absoluten Sch\u00f6nklang verpflichtete Entdeckung, die man nur empfehlen kann. Musik, die jeder verstehen kann, die dabei kein bisschen primitiv ist und immer ihr subtiles Geheimnis bewahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2016, M\u00fcnchen]<br \/>\n<\/strong>Erschienen in der &#8222;Slam!&#8220; Luxemburg im M\u00e4rz 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Ianni (Foto: Vito Labalestra) Seine musikalische Heimat liegt au\u00dferhalb der uns heute gel\u00e4ufigen Kategorien &#8211; und ist doch tief in Traditionen und Genres verwurzelt: Der Pianist und Komponist David Ianni. 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