{"id":856,"date":"2016-05-26T21:46:13","date_gmt":"2016-05-26T19:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=856"},"modified":"2016-06-22T12:49:57","modified_gmt":"2016-06-22T10:49:57","slug":"swinging-victoria","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/05\/26\/swinging-victoria\/","title":{"rendered":"Swinging Victoria"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Tom\u00e1s Luis de Victoria: alio modo<br \/>\nMusica Ficta<br \/>\nRa\u00fal Mallavibarrena, Leitung und Schlagwerk<br \/>\nSara \u00c1gueda, Harfe<br \/>\nLore Agust\u00ed, Sopran<br \/>\nGabriel D\u00edas, Contratenor<br \/>\nBeatriz Oleaga, Alt<br \/>\nJavier M. Carmena, Tenor<br \/>\n\u00cd\u00f1igo Casali, Tenor<br \/>\nSim\u00f3n Mill\u00e1n, Bass<br \/>\nCD 45 Min.,8\/2015<br \/>\n\u00a9&amp; Enchiriadis 2015<br \/>\nEN 2044<br \/>\nEAN\u00a0 8\u00a0 437012\u00a0 545441<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Hans0011.jpg\" rel=\"attachment wp-att-857\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-857\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Hans0011-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. When using this template, post copyright post in your project. Always link to this deviant page for copyright. Include author name and link. 2. Do not sell, redistribute or copy this file. 3. Downloads are only from this URL. 4. 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Wie sehr doch die Kleidung die gesamte Ausstrahlung eines Menschen ver\u00e4ndern kann! \u00c4hnlich erging es mir mit der CD des Ensembles Musica ficta, wo der Leiter Ra\u00fal Mallavibarrena sich vorgenommen hat, \u201eVictoria from a different perspective\u201c (deshalb der Titel \u201ealio modo\u201c) darzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der \u00fcberragende spanische Komponist und Jesuitenm\u00f6nch Tom\u00e1s Luis de Victoria (1548-1611) hielt sich die meiste Zeit seines aktiven Lebens in Rom als Nachfolger Palestrinas auf. Zur\u00fcckgekehrt nach Spanien leitete er die Kapelle des kaiserlichen Klosters De las Descalzas de Santa Clara (der barf\u00fc\u00dfigen Nonnen) und war nebenbei der pers\u00f6nliche Kaplan der verwitweten Kaiserin Maria. Bis jetzt konnte ich mir Victorias Musik, der ausschlie\u00dflich sakrale Werke komponiert hat, nur in der hallig-feierlichen Akustik eines Kirchenschiffes und \u201eim Weihrauchnimbus\u201c vorstellen. Hier nun h\u00f6ren wir Victoria \u201eda camera\u201c, sozusagen unplugged, was nat\u00fcrlich nicht stimmt, weil jeder S\u00e4nger (ganz im Trend in einfacher Besetzung) sogar ein eigenes Mikrofon hat. Im Booklet-Text, Autor ist der Leiter des Ensembles selbst, erfahren wir, welch gro\u00dfen Eindruck Andrew Parrots Aufnahmen mit dem Taverner Consort auf den Neunzehnj\u00e4hrigen damals gemacht hatten: \u201eThe way of interpreting religious polyphony, closer in style to the madrigal, was new to me. It thrilled me. And then I thought:\u00a0 [\u2026] Could vocal lines be rescued from choral anonymity, be given back their individuality, be stripped, albeit partially, oft that all-unifying blanket of cathedral reverberation? [\u2026] \u201c Das, was sich Ra\u00fal Mallavibarrena f\u00fcr die Produktion dieser Victoria-CD vorgenommen hat (\u201eI call them \u201amotets with swing\u2018\u201c), hat er auch verwirklicht. Der Gesang seiner Ensemble-Mitglieder klingt in der Tat eher profan, also durchaus voller W\u00e4rme und Emotionalit\u00e4t. Und dabei ist nicht beabsichtigt (und auch nicht n\u00f6tig), es an Sauberkeit der Intonation mit den Reinheitsfetischisten aufzunehmen, derer es heute genug gibt (vielleicht mehr als zu Victorias Zeiten\u2026). Aber es bleibt zumindest Geschmackssache, ob man Victoria in dieser Weise auff\u00fchren soll. Wem dies gef\u00e4llt, dem gefallen Madrigale beispielsweise von Luca Marenzio vielleicht noch besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Beiheft ist (bis auf Mallavibarrenas subjektive Anmerkungen) leider sehr d\u00fcrftig ausgefallen. Jemand, der heute noch (trotz der zahlreich im Netz angebotenen Streaming-Dienste) auf das haptische Vergn\u00fcgen einer CD nicht verzichten will, der m\u00f6chte vielleicht auch beim H\u00f6ren in einem gem\u00fctlichen Sessel ein sch\u00f6nes Begleitheftchen dazu lesen (Spitzenreiter sind hier z. B. die cpo-Booklets), obwohl er auch im Netz genug Informationen finden k\u00f6nnte. So habe auch ich mir helfen k\u00f6nnen: Das spanische Ensemble Musica Ficta wurde 1992 von Ra\u00fal Mallavibarrena gegr\u00fcndet und ist nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen, 1988 gegr\u00fcndeten kolumbianischen Trio, das sich ebenfalls mit Alter Musik aus Spanien befasst. \u00dcber die Harfe, die Sara \u00c1gueda spielt, habe ich erfahren: Es ist eine Arpa de dos \u00f3rdenes, eine Harfe des spanischen Barock, die mit gekreuzten Saiten bespannt ist. \u00dcbrigens sind f\u00fcr mich ihre drei eingestreuten Soli wahre Highlights dieser Produktion. Wer mehr von Sara \u00c1gueda h\u00f6ren will, dem empfehle ich die vorz\u00fcgliche Einspielung Un viaje a N\u00e1poles beim gleichen Label. Auch \u00fcber Tom\u00e1s Luis de Victoria erf\u00e4hrt man im Booklet so gut wie nichts, aber Mallavibarrena hat wohl eher an einen H\u00f6rer gedacht, der den Komponisten schon gut kennt, ihn aber jetzt einmal anders &#8211; \u201ealio modo\u201c eben &#8211; h\u00f6ren m\u00f6chte. Oder er hatte eine sehr junge Zielgruppe im Auge. Das w\u00e4re dann auch eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Wahl des Bonustracks Gaudete Christus est natus. Dieses bekannte mittelalterliche (oder ist es wirklich siglo XVI, wie Mallavibarrena angibt?) Weihnachts-Carol, wiederum mit viel Swing dargeboten und mit einem fading out am Ende, sollte die CD vielleicht noch zus\u00e4tzlich ein wenig aufpeppen. Wer auch etwas sehen will, der kann sich Benedicta sit Sancta Trinitas (mit Kommentar von Mallavibarrena) und das Weihnachts-Carol zudem auf YouTube ansehen. Es ist jedenfalls nicht zu leugnen, dass Musica Ficta hier eine sehr kurzweilige und schwungvolle Interpretation, einen Swinging Victoria kreiert haben. Als Einstieg zum Kennenlernen dieses (vielleicht neben Palestrina, Lasso und Byrd) letzten gro\u00dfen Renaissance-Komponisten ist sie eher nicht geeignet. Das ist aber wohl auch nicht beabsichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Hans von Koch, Mai 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tom\u00e1s Luis de Victoria: alio modo Musica Ficta Ra\u00fal Mallavibarrena, Leitung und Schlagwerk Sara \u00c1gueda, Harfe Lore Agust\u00ed, Sopran Gabriel D\u00edas, Contratenor Beatriz Oleaga, Alt Javier M. 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