{"id":898,"date":"2016-06-14T16:23:14","date_gmt":"2016-06-14T14:23:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=898"},"modified":"2016-06-14T16:23:14","modified_gmt":"2016-06-14T14:23:14","slug":"stilvolle-stilkopien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/06\/14\/stilvolle-stilkopien\/","title":{"rendered":"Stilvolle Stilkopien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Toccata Classics, Tocc 0346; EAN: 5 060113 443465<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0052.jpg\" rel=\"attachment wp-att-899\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-899\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0052-300x260.jpg\" alt=\"This is a free design for Deviantart Photoshop Files. Created with a Creative Commons Licence (http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/3.0\/) Rules for use: 1. 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Der amerikanische Komponist schrieb 2007 sein Concerto nach Gli\u00e8re f\u00fcr Altsaxophon und Orchester, 2013 folgte eines f\u00fcr Sopransaxophon nach Tschaikowsky und vergangenes Jahr legte er noch eine Rhapsody nach Gershwin nach, wo die Violine den Solopart erh\u00e4lt. Hayrapet Arakelyan am Saxophon und Rachel Patrick an der Violine \u00fcbernehmen die Solostimmen, es spielt die Sinfonia Varsovia unter Ian Hobson.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist bedauerlich, dass uns weder Reinhold Moritzewisch Gli\u00e8re noch Pjotr Iljitsch Tschaikowsky ein Saxophonkonzert geschenkt haben (Glasunow hingegen hat in sp\u00e4ten Jahren noch eines nachgereicht), sind doch schlie\u00dflich s\u00e4mtliche von ihnen erhaltenen Solokonzerte (inklusive des nicht vollendeten Violinkonzerts Gli\u00e8res) wahre Meisterwerke. Und auch, dass George Gershwin nur sein eigenes Instrument, das Klavier, mit Konzert- und Konzertst\u00fcckliteratur bedacht hat, ist f\u00fcr die anderen Instrumentalisten reichlich ungerecht. So d\u00fcrfte sich das vielleicht David BeBoor Canfield gedacht haben, als er seine drei &#8222;After- \u00a0Concertos\u201c plante. Hier bekommt ein Saxophon endlich einmal die Gelegenheit, auch romantische Literatur im verbl\u00fcffend originalgetreuen Stil von Gli\u00e8re und Tschaikowsky zu spielen und ein Violinist darf sich \u00fcber eine gershwineske Solorhapsodie freuen. Nicht auf der CD erschienen sind eine Elegy nach Brahms f\u00fcr Altsaxophon oder Klarinette und Klavier, ein Quintett nach Schumann f\u00fcr Saxophonquartett und Klavier sowie eine Ragtime-Sonate nach Scott Joplin f\u00fcr Altsaxophon und Klavier. Auch Werke ohne &#8222;Vorlage&#8220; gibt es aus der Feder des 1950 in Florida geborenen Komponisten, immer in einem zum Heiteren tendierenden, beschwingt-eing\u00e4ngigen Stil, der durchaus auch eine individuelle Note aufweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei hier zu h\u00f6renden &#8222;After-Concertos\u201c waren eine wirkliche \u00dcberraschung f\u00fcr mich. Statt den erwarteten flachen und vermeintlich witzigen Aufgriffen einiger weniger Floskeln des jeweiligen Vorbilds in standardisiert \u00fcbertriebener Scherzparaphrasierung erh\u00e4lt der H\u00f6rer hier drei vollwertige Solokonzerte, die tats\u00e4chlich eine ernst gemeinte Musik pr\u00e4sentieren. Es sind auch keine direkten Musikzitate zu finden (jedenfalls fielen mir keine auf), sondern es handelt sich um eigenst\u00e4ndige Werke, welche lediglich einem bestimmten Stil huldigen. Oft entsteht der Eindruck, als wenn wirklich gerade ein St\u00fcck von Gli\u00e8re, Tschaikowsky oder Gershwin vorgetragen w\u00fcrde, so genau hat sich Canfield den jeweiligen Stil angeeignet. Nat\u00fcrlich gibt es einige Details, welche den &#8222;Betrug&#8220; bei genauerem Hinh\u00f6ren sichtbar erscheinen lassen, wie etwa un\u00fcbliche Instrumentierungen an einer bestimmten Stelle oder alleine schon die Tatsache, dass ein Tschaikowsky-Konzert wesentlich l\u00e4nger als 20 Minuten dauert. Doch das ist unwichtig, schlie\u00dflich geht es nicht darum, dem Nachgeahmten ein Werk unterzujubeln, sondern vielmehr, eine eigene und unabh\u00e4ngige Stilkopie zu schaffen. Und diese ist, in dreifacher Ausf\u00fchrung, wahrlich gelungen. Canfield schuf drei vielseitige, farbenreiche und f\u00fcr den eingeweihten H\u00f6rer oft durchaus am\u00fcsante Werke (wobei angemerkt werden sollte: es ist zu keiner Zeit intendiert lustig, dieser Effekt stellt sich eher automatisch ein bei einer gut gemachten Stilkopie), die den nachgeahmten Komponisten eine besondere W\u00fcrdigung angedeihen lassen und ihrem Genie in der Qualit\u00e4t der Hommage auch gerecht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Solisten, Hayrapet Arakelyan und Rachel Patrick, bieten ihre anspruchsvolle Stimme mit Bravour, sicherer Intonation und reinem Spiel dar. Bei Patrick erscheint es manchmal so, als w\u00e4re ihr Spiel vor allem auf \u00e4u\u00dferen Effekt angelegt und nicht innerlich mitempfunden, wenngleich Phrasierung und Linienf\u00fchrung solide sind. Hayrapet Arakelyan hingegen spielt h\u00f6rbar mit voller Leidenschaft und Hingabe, ist vollkommen in die St\u00fccke involviert und integriert sich aktiv in den Orchesterapparat. Seinem Instrument entlockt er ungeahnt feine Klangnuancen und l\u00e4sst lange Dialoge mit dem Orchester, aber auch Monologe in eigenen verschiedenen Stimmlagen ausdrucksvoll entstehen. Die Sinfonia Varsovia unter Ian Hobson h\u00e4lt sich dezent im Hintergrund, bildet aber eine untadelige Klanggrundlage, \u00fcber der sich die Solisten entfalten k\u00f6nnen. In mancher Tuttipassage fehlt es manchmal etwas an Klangf\u00fclle und -Dichte &#8211; doch dies zu kompensieren, sind die Solisten stets schnell wieder zur Stelle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Toccata Classics, Tocc 0346; EAN: 5 060113 443465 Drei &#8222;After-Concertos&#8220; von David Deboor Canfield sind bei Toccata Classics eingespielt. 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