{"id":949,"date":"2016-06-25T13:53:50","date_gmt":"2016-06-25T11:53:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=949"},"modified":"2016-06-25T13:53:50","modified_gmt":"2016-06-25T11:53:50","slug":"halbgar-trios-des-19-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/06\/25\/halbgar-trios-des-19-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Halbgar: Trios des 19. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">bmn 20162; EAN: 7 629999 019119<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0055.jpg\" rel=\"attachment wp-att-950\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-950\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0055-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"321\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0055-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0055-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0055.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Smetana Trio, bestehend aus Jitka \u010cechov\u00e1 am Klavier, der Violinistin Ji\u0159i Vodi\u010dka und Jan P\u00e1len\u00ed\u010dek am Violoncello, spielte im M\u00e4rz 2016 im Hans Huber-Saal in Basel ein Konzert mit Klaviertrios von Anton Reicha, Felix Mendelssohn Bartholdy und Bed\u0159ich Smetana. F\u00fcr bmn wurde dieses aufgezeichnet und erschien nun in der Reihe &#8222;Chamber Music Live&#8220; auf CD und Blue-Ray, wobei auf der CD das Mendelssohn-Trio nicht enthalten ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein zweiundachtzigj\u00e4hriges Bestehen kann das Smetana Trio mittlerweile feiern, 1934 wurde es vom Pianisten und Vater des heutigen Cellisten Josef P\u00e1len\u00ed\u010dek gegr\u00fcndet. Zeitweise auch als &#8222;Tschechisches Trio&#8220; bekannt, f\u00fchrt es seit 1978 wieder den urspr\u00fcnglichen Namen. Im M\u00e4rz diesen Jahres spielte das Smetana Trio ein Konzert in Basel, in welchem neben dem Trio op. 15 g-Moll seines Namensgebers auch die 1800 entstandene Triosonate C-Dur op. 47 von Anton Reicha und das Trio op. 49 d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy erklangen. Nun erschien die Liveaufnahme in Bild und Ton bei bmn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Smetana und Mendelssohn Bartholdy gro\u00dfe Bekanntheit gesichert ist, bleibt Anton Reicha nach wie vor an der Peripherie der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung; Hin und wieder tauchen einmal Einspielungen auf, aber meist ohne gro\u00dfe Resonanz, und auf den Konzertprogrammen ist er beinahe nie zu finden. Warum, ist ein absolutes R\u00e4tsel, war der 1770 in Prag geborene Komponist (im Tschechischen hei\u00dft er Anton\u00edn Rejcha) doch sein Leben lang von gro\u00dfen Namen umgeben, war Sch\u00fcler von Salieri und Albrechtsberger, langj\u00e4hriger Freund von Beethoven und Lehrer von Liszt, Franck, Gounod, Berlioz und anderen Gr\u00f6\u00dfen. Sein umfangreiches \u0152uvre umfasst Symphonien, Konzerte, eine Messe, ein Te Deum, eine Oper &#8222;Leonore&#8220;, Klaviermusik und unz\u00e4hlige Kammermusikwerke, von denen viele f\u00fcr reine oder gemischte Bl\u00e4serbesetzung geschrieben sind \u2013 schlie\u00dflich war er selbst Fl\u00f6tist. (\u201eMusique pour c\u00e9l\u00e9brer la m\u00e9moire des grands hommes\u201c ist ein Werk mit interessanter Besetzung, hier spielt ein gro\u00dfes Bl\u00e4serorchester in gr\u00f6\u00dftenteils sechsfacher Besetzung unterst\u00fctzt von drei Kontrab\u00e4ssen, sechs Trommeln und &#8211; Tschaikowsky l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen &#8211; vier kleinen Feldkanonen.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Darbietung des Smetana Trios wirkt der lebendige und seine Frische nie verlierende Reicha jedoch recht kurzatmig und strukturlos. Dies liegt wohl haupts\u00e4chlich daran, dass Phrasierung beinahe \u00fcberhaupt nicht zu existieren scheint und die Dynamik nur stufenweise und nicht in einem flexiblen Kontinuum variiert. Somit wirkt das ganze Trio recht steril und ohne belebende Menschlichkeit, nur die Noten bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Musik von Smetana f\u00fchlen sich die Musiker &#8211; der Name verr\u00e4t es bereits &#8211; mehr zu Hause. Im Hauptsatz ist alles noch ziemlich statisch und gleichf\u00f6rmig, doch in den beiden folgenden S\u00e4tzen wachen die Musiker auf und demonstrieren virtuos-pr\u00e4zises Spiel mit einem betr\u00e4chtlich gr\u00f6\u00dferen Spektrum an Klangschattierungen und Dynamikabstufungen als bei Reicha. Hier macht das H\u00f6ren endlich wieder Spa\u00df, manche Phrasierung wird erkennbar. Gerade in den schnellen Tempi kann das Smetana Trio seine Vorz\u00fcge pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Streicher Ji\u0159i Vodi\u010dka und Jan P\u00e1len\u00ed\u010dek haben einen markigen Ton von deutlicher Pr\u00e4senz. Ji\u0159i Vodi\u010dka nutzt diesen f\u00fcr rasante Violin-H\u00f6henfl\u00fcge und ein akzentuiertes Spiel, das auch die H\u00e4rte nicht scheut. Etwas lyrischer geht Jan P\u00e1len\u00ed\u010dek am Cello an die Musik heran, er kann sich gegebenenfalls auch einmal im Hintergrund halten, ebenso auch fast geigenhaft singende hohe T\u00f6ne anstimmen. An den Tasten zeigt Jitka \u010cechov\u00e1 ein klares und durchsichtig-perlendes Spiel mit glasklarem Anschlag, der das Non-Legato bevorzugt &#8211; gerade bei ihr w\u00e4re allerdings ein intensiveres Gesp\u00fcr f\u00fcr Dynamik und f\u00fcr die musikalische Linie w\u00fcnschenswert, das H\u00f6ren auf ihre Kollegen w\u00fcrde da schon viel Gutes bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So hinterl\u00e4sst diese Platte leider nur einen halbgaren Eindruck und ich werde das Gef\u00fchl nicht los, den Musikern gehe es in erster Linie nur um pefektes und virtuoses Spiel, um die reine Handwerklichkeit, und nicht um musikalisches Arbeiten, um Freude an und Liebe zu der gro\u00dfartigen Musik dieser exzellenten Werke. Ob es an mangelnder Probenzeit lag oder an einer unvollst\u00e4ndigen, nur auf die Technik bezogenen Arbeitsweise, ist schwerlich zu sagen. Die Musiker k\u00f6nnen ja durchaus, dies haben sie an einigen Stellen (vor allem am Beginn des zweiten Satzes von Smetanas Trio) nachdr\u00fccklich bewiesen &#8211; sie sollten es nur auch bedingungsloser wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2016]<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>bmn 20162; EAN: 7 629999 019119 \u00a0 Das Smetana Trio, bestehend aus Jitka \u010cechov\u00e1 am Klavier, der Violinistin Ji\u0159i Vodi\u010dka und Jan P\u00e1len\u00ed\u010dek am Violoncello, spielte im M\u00e4rz 2016 im Hans Huber-Saal in Basel ein Konzert mit Klaviertrios von Anton Reicha, Felix Mendelssohn Bartholdy und Bed\u0159ich Smetana. F\u00fcr bmn wurde dieses aufgezeichnet und erschien nun &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/06\/25\/halbgar-trios-des-19-jahrhunderts\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Halbgar: Trios des 19. 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