{"id":970,"date":"2016-07-01T12:50:11","date_gmt":"2016-07-01T10:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=970"},"modified":"2016-06-30T23:01:06","modified_gmt":"2016-06-30T21:01:06","slug":"grosse-aufgaben-fuer-kleines-ensemble","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/07\/01\/grosse-aufgaben-fuer-kleines-ensemble\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Aufgaben f\u00fcr kleines Ensemble"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Linn Records CKD 516; EAN: 6 91062 05162 0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0056-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-971\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-971\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0056-2-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"435\" height=\"377\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0056-2-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0056-2-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/0056-2.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die ber\u00fchmte Gran Partita KV 361 von Wolfgang Amadeus Mozart ist das Titelst\u00fcck der neuen CD von Trevor Pinnock gemeinsam mit dem Royal Academy of Music Soloists Ensemble f\u00fcr Linn Records; zudem gibt es Joseph Haydns Notturno Nr. 8 in G-Dur Hob: II:27. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regelrecht als revolution\u00e4r ist Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade in B-Dur KV 361 mit dem Titel &#8222;Gran Partita&#8220;. Sie sprengt den Rahmen der bis dahin gebr\u00e4uchlichen Harmoniemusik, einer reinen Bl\u00e4serbesetzung aus Holz mit dem sich in den Holzbl\u00e4serklang gut einf\u00fcgenden Horn als zentralem Bestandteil, der nur selten auch mal ein Streichinstrument beigegeben wird. Anstelle der \u00fcblichen verspielt kurzen und meist leichten St\u00fccke f\u00fcr diese meist unter freiem Himmel spielenden Ensembles verfasst Mozart ein siebens\u00e4tziges Werk von \u00fcber 45 Minuten L\u00e4nge, welches jedem der dreizehn Bl\u00e4ser sowie dem hinzugef\u00fcgten Kontrabass (welch eine herrliche Besetzung!) heikle Schwierigkeiten und solistische Anforderungen zukommen l\u00e4sst, welches dergestalt die Harmoniemusik in den gro\u00dfen Konzertsaal \u00fcberf\u00fchrt. Auch stilistisch wagt Mozart wie so gerne einen Blick in die Zukunft und schreibt hier eine Musik, die wieder einmal beileibe nicht dem typischen &#8222;Mozart-Klischee&#8220; entspricht, viel freier und unkonventioneller ist sie, durchzogen mit unerwarteten Wendungen und mancherorts gar d\u00fcsteren Zusammenkl\u00e4ngen. Kaum weniger reizvoll, wenngleich wesentlich unbekannter, ist Haydns Notturno Nr. 8 in G-Dur Hob. II:27 f\u00fcr sechs Streicher, zwei H\u00f6rner, Fl\u00f6te und Oboe (letztere waren in der urspr\u00fcnglichen, k\u00fcrzeren Fassung durch zwei Lyren zu besetzen). Das dreis\u00e4tzige Werk umfasst eine gro\u00dfe Stilbreite von Elementen der Barockzeit bis hin zu unerh\u00f6rt fortschrittlichen Passagen, die man gut und gerne ins 19. Jahrhundert verorten k\u00f6nnte &#8211; eine spannende Entdeckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trevor Pinnock entlockt dem Royal Academy of Music Soloists Ensemble einen sehr durchsichtigen und lupenreinen Klang mit einer offenen Ausstrahlung. Alles ist in sehr feiner Manier dargeboten und zeichnet sich durch edle Zur\u00fcckhaltung aus. Den Musikern beziehungsweise den Solisten gelingen ihre Aufgaben mit Bravour und spielerischer Leichtigkeit. Dabei sind stets die zentralen Stimmen gut h\u00f6rbar und lassen einen fein abgewogenen Kontrapunkt entstehen. Mancherorts w\u00e4re noch w\u00fcnschenswert, mehr Fokus auf die organische Entfaltung der Musik zu sp\u00fcren, das Tempo driftet gerne etwas aus dem Ruder und die harten Kontraste verlieren sich in Gleichf\u00f6rmigkeit, die durch Verfeinerung der Dynamik im kleinen wie im gro\u00dfen Kontext schnell an Vielschichtigkeit gewinnen k\u00f6nnte. Was leider st\u00f6rt, sind die vollkommen gleich vorgetragenen Wiederholungen &#8211; es ist, wie wenn man ein Buch um einige Seiten zur\u00fcckbl\u00e4ttert und die Geschichte haargenau noch einmal von dieser Stelle aus liest, ohne dabei zumindest den Tonfall zu \u00e4ndern, es als Spannungssteigerung oder als sich aufl\u00f6sende Spannung zu empfinden. Damit kann der Spannungsbogen nicht funktionieren, der energetische Fluss setzt aus. Es w\u00e4re sch\u00f6ner, wenn man kein Gesp\u00fcr daf\u00fcr hat, die Wiederholungen einfach auszulassen, als somit die Musik unn\u00f6tig in die L\u00e4nge zu ziehen, ohne dass es als Ganzes funktionieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Haydn funktioniert die Kontinuit\u00e4t besser, es entsteht mehr das Gef\u00fchl der unzertrennlichen Einheit der S\u00e4tze. Besonders hervorzuheben hier sind die beiden Violinen &#8211; gerade die erste -, die einen ganz eigent\u00fcmlichen, beinahe folkloristischen Ton hervorbringen, was stellenweise die Barockelemente unterstreicht, teils aber auch vollkommen neue Farben hineinzuzaubern vermag in diese herrliche Musik. Es entsteht eine gewisse Nat\u00fcrlichkeit, die der Musik sehr gut tut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linn Records CKD 516; EAN: 6 91062 05162 0 Die ber\u00fchmte Gran Partita KV 361 von Wolfgang Amadeus Mozart ist das Titelst\u00fcck der neuen CD von Trevor Pinnock gemeinsam mit dem Royal Academy of Music Soloists Ensemble f\u00fcr Linn Records; zudem gibt es Joseph Haydns Notturno Nr. 8 in G-Dur Hob: II:27. 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