Was die Welt jetzt braucht

Muse Alliance, MA 008; EAN: 4 260164 630176

What the world needs now; Ensemble Sarband; Joel Frederiksen (Bass, Laute, Arciliuto), Rebal Alkhodari (Tenor, Ud), Vladimir Ivanoff (Perkussion, Ud), Mohamad Fityan (Nay, Kawala)

Auf ihrer bei Muse Alliance erschienen CD „What the world needs now“ präsentiert das Ensemble Sarband Lieder aus den arabischen Ländern, Amerika, England und den sephardischen Regionen sowie neue Kompositionen. Die Zusammenstellung verfolgt das Ziel einer länderübergreifenden Verständigung und eines Miteinanders der Kulturen. Vladimir Ivanoff leitet das Projekt künstlerisch und wirkt an Perkussion und Ud, Joel Frederiksen singt Bass, spielt dazu Laute und Arciliuto, Rebal Alkhodari hören wir als Tenor und Ud-Spieler und Mohamad Fityan hören wir an Nay und Kawala.

Crossover-Projekte erscheinen in den letzten Jahren gehäuft auf dem Markt, die Mischung von Musik aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen erfreut sich großer Beliebtheit bei den Hörern. Ein Großteil dieser Zusammenstellungen wirkt recht beliebig und uninspiriert zusammengebastelt, ist hauptsächlich auf die Resonanz beim Käufer ausgelegt.

Das Ensemble Sarband gehört nicht zu diesen: Vom ersten Ton an verspürt man eine andere Antriebskraft hinter dem Projekt. Die vier Musiker gehen mit innbrünstiger Leidenschaft und Hingabe an die von ihnen gespielten Stücke heran. Sie hören nicht nur bewusst aufeinander, sondern versuchen, die Vorzüge der anderen in ihr eigenes Spiel zu integrieren. Der Austausch steht im Vordergrund: Die Werke stammen aus unterschiedlichen Epochen, Ländern und Kulturkreisen, wären ohne dieses Projekt vermutlich nie aneinandergeraten. Die Auswahl wurde nicht willkürlich getroffen, sondern verfolgt eine innere Logik; die Musiker brachten Werke aus ihren jeweiligen Heimatländern oder Interessensgebieten mit und teilten sie mit den anderen – sie arbeiteten gemeinsam an der Musik, so dass jeder seine eigene Note mit hinein brachte.

Die Instrumentation ist mit Du, Arciliuto, Laute und Schlagwerk archaisch, der Klang verpflichtet sich einer historischen Vorstellung, die allerdingt nicht erdacht , sondern erfühlt und damit frisch und unverbraucht – aktualisiert – erscheint. Die menschliche Stimme steht über weite Strecken im Vordergrund: Joel Frederiksen hören wir als hinreißenden Bass mit markantem, voluminösem Timbre; Rebal Alkhodaris Tenorstimme geht über den tonalen Rahmen hinaus in die mikrotonalen Ornamente arabischer Musik. Die Gegenüberstellung dieser beiden Stimmen bezaubert, das Reine und Tiefe der christlichen Musik im Wechsel mit der expressiven und strahlenden Stimmwelt des muslimisch-orientalischen Gesangs.

[Oliver Fraenzke, Juli 2018]

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