Archiv des Monats: Mai 2026

Kalevi Aho: 17. Symphonie „Symphonic Frescoes“

Lahti Symphony Orchestra, Erkki Lasonpalo (2024)

BIS 2676

Gesamtzeit: 60‘23’’

Kalevi Aho, einst Schüler Einojuhani Rautavaaras, ist heute der führende Symphoniker Finnlands. Er schrieb seine 17. Symphonie 2017 mit 68 Jahren. Sie ist sein umfangreichster Beitrag zur Gattung und führt die Linie seiner Symphonien Nr. 1, 4, 5, 6, 9 und 10 mit ungebrochener Energie und Meisterschaft fort, mit einer bewusst reduzierten Fülle an Ideen und kunstvoller Verschränkung kontrastierender Tempi und Charaktere. Ein Scherzo macabre mit nordisch langsamen, melodisch originellen Trio-Einschüben wird umrahmt von zwei gewaltigen Ecksätzen. Im Kopfsatz ist der Gegensatz des breiten Eingangstempos und eines erregten Presto formbildend, im Finale sind folkloristische und klassizistische Elemente ähnlichen Kontrasten unterworfen. Aho zeigt sich als ein Meister episch breiter Ausspinnung, wobei er vor allem die tiefsten Tiefen des Orchesters inklusive Orgel in den Vordergrund treten lässt (das gewünschte Lupophon wird hier durch das Heckelphon, das Kontraforte durch das Kontrafagott ersetzt), wie überhaupt magischer Farbmixturen und gewaltiger Orchesterwirkungen in der großen symphonischen Tradition. Im Finale schreibt er sehr ausdifferenzierte Temporelationen vor, die nicht alle exakt umgesetzt werden. Für die Tontechnik herausfordernd, ist die Aufnahme unter Einschluss eines Konzertmitschnitts überzeugend gelungen. Ein Werk, das unterstreicht, wie zeitgenössische Symphonik die große Tradition würdig fortführen und erweitern kann.

[Christoph Schlüren, Mai 2026]