Aris Alexander Blettenberg: Drei griechische Tänze für Klavier

Schott, ED 23911; ISMN: 979-0-001-22087-3

Der 1994 geborene Aris Alexander Blettenberg verkörpert einen Künstlertypus, wie er zu früheren Zeiten die Regel, in der jüngeren Vergangenheit die Ausnahme war, und heute anscheinend wieder etwas häufiger zu finden ist: den Musiker, der sich zugleich nachschöpferisch und schöpferisch betätigt. In den letzten Jahren vor allem als Pianist und Dirigent bekannt geworden, hat Blettenberg bislang auch eine Reihe eigener Kompositionen vorgelegt, wobei der Schwerpunkt, soweit ersichtlich, auf Klaviermusik sowie Werken für Zupforchester liegt.

Die im Schott-Verlag erschienenen Drei griechischen Tänze sind nur dazu angetan, ihrem Autor Sympathien zu gewinnen. Sie sind melodisch eingängig, harmonisch reizvoll, in knappe, schlichte und übersichtliche Formen gefasst und – was bei einem Pianisten nicht verwundert – ganz aus dem Geiste des Klaviers heraus geschrieben. Dem Spieler werden lohnende Aufgaben gestellt. Blettenberg schreibt offensichtlich nicht für Anfänger, aber die Schwierigkeiten sind doch nicht so groß, als dass nicht auch ein geübter Laie sich diese Tänze aneignen könnte.

Der Komponist, der selbst griechische Wurzeln hat, gruppiert die drei Stücke dieser Sammlung in der Abfolge schnell–langsam–schnell, wodurch sie auch zum zyklischen Vortrag geeignet erscheinen. Einem Syrtaki (Allegretto rustico, G-Dur, 2/4-Takt) schließen sich ein Zeibekiko (Andantino malinco, in C-Dur beginnend, in a-Moll endend, überwiegend 9/4-Takt) und ein Tsakonikos (Vivo energico, c-Moll, 5/4-Takt) an. Da die griechische Musik, wie die Musik der Balkanländer, ein Tor der europäischen Musik Richtung Orient darstellt, gehören „Orientalismen“ zum melodisch-harmonischen Wesen dieser Tänze. Wir begegnen also, neben den bereits erwähnten unregelmäßigen Taktarten, häufig übermäßigen Sekunden und Umspielungen eines Tons in kleinen Sekunden. Ein spezifisch griechisches Kolorit wird durch Imitationen von Bouzouki-Klängen im ersten und zweiten Tanz erzeugt. Blettenberg hat seine Stücke mit genauen Anweisungen versehen, an denen sich die Spieler orientieren können. Für den wirkungsvollen Vortrag sind rhythmische Sicherheit und melodische Geschmeidigkeit zwingend notwendig. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, wird an den Griechischen Tänzen seine Freude haben und Werke finden, die sich gleichermaßen zum Gebrauch im Konzert wie in der Hausmusik eignen. Auch als Zugabestücke dürften diese Tänze von bester Wirkung sein.

[Norbert Florian Schuck, Juni 2026]

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