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Entdeckung pur

Johann Peter Kellner: Geistliche Kantaten

 Anna Kellnhofer, Sopran – Christoph Dittmar, Altus – Mirko Ludwig, Tenor  – Ralf Grobe, Bass – Cantus Thuringia – Capella Thuringia: Bernhard Klapproth, Orgel und Leitung

 CPO, 555 159-2; EAN: 7 61203 51592 9

 

Wieder einmal eine wunderbare Entdeckung beim Label CPO: Diesmal geht es um die Kirchenkantaten von Johann Peter Kellner (1705-72). Vermutlich war er ein Schüler von Johann Sebastian Bach, jedenfalls hat er für die Überlieferung einiger Bach-Werke gesorgt.

Seine eigene Musik ist sehr ansprechend, die Tonsprache durchaus vertraut aber nie epigonal. Seine Kantaten sind kurz, maximal knapp 14 Minuten lang, meist mit Eingangschor, einem Rezitativ, einer Arie für Solisten oder Duett und einem Abschluss-Choral. Einige Stücke sind für diese Produktion tatsächlich erstmalig in neuerer Zeit aufgeführt, auch für die anderen Kantaten besteht noch Bedarf an Aufführungsmöglichkeiten und viele von Kellners Kompositionen harren noch heute der Übertragung in moderne Notation. Halbwegs ausreichend herausgegeben oder zugänglich sind nur einige seiner Orgelstücke.

Die Textvorlagen stammen von den verschiedensten Zeitgenossen, die Vertonungen des Komponisten sind sehr farbig, ziehen Instrumente aller Couleur hinzu und lassen trotz der Kürze der einzelnen Kantaten nie Routine oder Monotonie aufkommen. Im Gegenteil, die Aufnahmen sind mit spürbarem Vergnügen und dem Enthusiasmus der Wiederentdeckung eines vergessenen Meisters der Nach-Bach-Zeit eingespielt und realisiert. Das umfassende Booklet gibt erschöpfend Auskunft über Johann Peter Kellner, die Kompositionen und die Zeit. Auch wenn der Klang des Chores oder der Solisten zusammen mit Orgel und den anderen Instrumenten – drunter auch Pauken und Trompeten  – aufgenommen wird, sorgt die Abmischung für klare Durchhörbarkeit und Balance. Der Chor Cantus Thuringia verdient besondere Erwähnung: dass man den Text bei einem Chor so klar versteht, ist äußerst selten und könnte ein Maßstab für weitere Produktionen sein oder werden. Jedenfalls ist diese CD mit Musik von Johann Peter Kellner (oder seinem Sohn Johann Christoph, die Zuordnung ist teilweise sehr schwierig und noch nicht abschließend recherchiert) eine ausgesprochen lohnende Neuerscheinung und das Anhören ein berührendes Erlebnis.

[Ulrich Hermann Dezember 2017]